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Stazione Tiburtina

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Ein modernes urbanes Zentrum hätte der neue Bahnhof Tiburtina werden sollen.

So lautete jedenfalls der Titel des Gestaltungswettbewerbs für den zu bauenden Hochgeschwindigkeitsbahnhof auf der Tiburtina (eine der wichtigen alten römischen Straßen, die von Rom nach Tivoli/Villa Adriana führte). Die Architekten Arlotti, Beccu, Desideri und Raimondo (Büro ABDR) haben die Ausschreibung gewonnen. Die vorhandenen Trassen und Achsen wurden mit einbezogen.

Räumlichkeit und Körperlichkeit sollten miteinander vereint werden und „eine Brücke des sozialen und urbanen Austausches“ (whatever that means!) sollte der Ort werden. Heute, nur zwei Jahre nach der Einweihung, hat man das Gefühl, sich auf einem no-future Gebiet zu befinden. Seelenlos und in Auflösung begriffen. Etwas das, bevor es richtig anfangen konnte, schon wieder am Erlöschen war (aber vielleicht hätten wir Freitag Nachmittag hingehen sollen). Angeblich besser zu erreichen als der Termini Bahnhof soll er sein. Mit dem Auto vielleicht! Zu Fuß muss man über einen halb geschlossenen Parkplatz und durch eine heruntergekommene Busstation marschieren. Ist man dann endlich drin, läuft man durch leere hohe Hallen, vorbei an vergitterten brach liegenden Geschäftsflächen, die als einzige Information – “demnächst Eröffnung” an der Tür stehen haben, und dieser Zettel ist auch schon recht alt! Futuristische Rolltreppen fahren nach oben und nach unten (alle intakt!), ein Platzverlust sonder Gleichen. Wo sind denn bloß die Fahrgäste an diesem Sonntag Vormittag? Aber wahrscheinlich suchen die auch alle den Eingang! Zwei verlassene Cafeterien, keine Menschenseele in den wenigen ausgebauten Geschäften, das Italo-Büro (Italo ist der neue Schnellzug, der einen in weniger als 3 Stunden von Rom nach Mailand bringt) ebenfalls leer (aber wahrscheinlich kaufen alle Fahrgäste ihre Tickets über Internet). Die Luxuswarte-Lounge für First-Class-Reisende wartet ebenfalls auf schön gewandete Reisende mit Louis Vuitton Gepäck, die auf einer an eine Wartehalle in „Raumschiff Enterprise“ (so nach dem Motto “next flight to Saturn in 20 minutes”) erinnernden Sitzgelegenheit einen teuren caffè trinken sollen. An einer Ecke kehrt jemand den Schmutz zusammen und gibt Auskunft. Er erklärt auch uns, wie wir auf der anderen Seite wieder rauskommen.

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Vielleicht ist dieser Bahnhof aber einfach nur so fantastisch gebaut, dass die Menschen sich verlaufen – wie auf dem Münchner Flughafen?

1866 entstand der erste Bahnhof im nordöstlichen Rom und deckte die Linie Rom-Florenz ab. Im Hinblick auf die geplante Weltausstellung 1942 wurde er ab Ende der 30er neu gestaltet. Während des Zweiten Weltkrieges besetzten u.a. auch Truppen der Wehrmacht (“Fall Achse”) den Bahnhof, von dem aus im September 1942 knapp 1000 Juden nach Auschwitz deportiert wurden. US-Bombardierungen 1943 zerstörten den Bahnhof fast komplett. Übrig blieben nur ein paar der typischen Mazzoni-Wassertürme. 1950 begann der notdürftige Wiederaufbau bis man 1990 entschied, dass ein Neubau sämtliche Gleise überbrücken sollte. 2007 schließlich startete das ABDR Büro mit der Konstruktion und 2011 – vor der Eröffnung – fiel ein Flügel des noch alten Bahnhofs einem Brand zum Opfer, was nicht nur die Bauarbeiten behinderte sondern auch ein Chaos im italienischen Schienenverkehr verursachte. Am 28. November 2011 schließlich eröffnete der italienische Staatspräsident den neuen Bahnhof Tiburtina, der nach dem italienischen Patrioten des „Risorgimento, Camillo Benso von Cavour“ benannt ist.

Christa Blenk

 Fotos: ©Christa Blenk



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