Archive for the 'Theater' Category

Blog Highlights 2020

2020 hat sich – auch kulturell – anders präsentiert als die anderen Jahre. Ab März wurden Museen und Ausstellungen geschlossen, Konzerte und Opernaufführungen wurden entweder abgesagt oder mussten virtuell stattfinden. Einiges gibt es aber trotzdem zu berichten. Unser letzter Opernbesuch hat Ende Februar in Antwerpen stattgefunden. Abgesehen von ein paar Kulturspaziergängen oder Besuchen von Freilichtmuseen, basieren deswegen meine blog Highlights 2020 auf virtuellen Ereignissen!  

Hinter jedem Begriff in ROT verbirgt sich der link zum Artikel

 

Januar: Das erste Jahr in Brüssel ging für uns in der Brüsseler Oper zu Ende bzw. das Neue hat dort begonnen und zwar mit einer gewöhnungsbedürftigen Aufführung von Hoffmanns Erzählungen in der Monnaie. Mitte Januar sind wir mit dem Auto nach Paris gefahren, um bei der neuen Produktion von Opera Côté Choeur mit dabei zu sein. Dido und Aeneas gehört zu unseren Lieblingsopern und von Brüssel nach Paris ist es nicht weit und dafür lohnt sich so eine Reise allemal. Kroatien hat ihre sechs-monatige Ratspräsidentschaft mit einem gelungenen Konzert im Bozar mit Max Emanuel Cencic eingeleitet.  Deutschland hat Kroatien bei dieser Aufgabe am 1. Juli 2020 abgelöst, wusste aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass das eine mehr oder weniger virtuelle Präsidentschaft werden sollte. Die Premiere der Pariser  Produktion Orpheus und Euridice, die wir hier in Brüssel im UGC Kino im Rahmen des Programms « Viva l’Opera » gesehen haben,  fand schon 2018 in Paris  mit einer Starbesetzung statt. Der großartige französische Contertenor Philippe Jaroussky (sehr überzeugend auch schauspielerisch, allerdings fehlte es ihm manchmal an Tiefe) und Patricia Petibon (großartig, selbstbewusst und dramatisch) als Orpheus und Euridice. Den Amor sang Emőke Baráth. Das französische Lille ist von Brüssel nur knapp zwei Autostunden entfernt und hat eine gute Oper mit einem interessanten Programm. Ende Januar sind wir in diese schöne nordfranzösische Stadt gefahren, um die  Oper  Les Pecheurs de Perles”  zu sehen. Die Aufführung hat uns sehr gut gefallen und wir haben beschlossen, dies öfters zu tun. Passend dazu haben wir die Ausstellung  ”Degas in der Oper” besucht.

 

P1090772 Februar: Endlich war sie da: die lang erwartete und große Van Eyck Ausstellung in Gent. Da wir gleich am zweiten Tag hingefahren sind, konnten wir sie noch sehen – mit vielen weiteren Besuchern zwar, aber immerhin. Ein zweiter Besuch mit einer Freundin aus Berlin fiel dann schon Corona zum Opfer (Ausstellung sowie Besuch). Achterland war  Teil eines Ballettfestivals, das schon 2019 begann. Aufgeführt wurde es im Kaii-Theater Brüssel. Auch hier ahnten wir nicht, dass das vorerst die letzte Ballettaufführung 2020 sein würde! Mitte Februar sind wir (gottseidank) trotz  großem Sturm mit dem Zug nach Antwerpen gefahren, um die Oper Der Schmied von Gent zu sehen. Das war dann auch der letzte physische Opernbesuch in diesem Jahr.  Aus der Oper Lüttich haben wir – auch im UGC Kino - Nozze di Figaro gesehen. Divina Mysteria: Im Rahmen des Bach Heritage Festival 2020 kam am 7. Februar die katalanische Theatergruppe La Fura dels Baus nach Brüssel. Im Kammermusiksaal des Palais des Beaux-Arts führten sie die Bauernkantate (BVW 212) auf. Und wie bei dieser Gruppe nicht anders zu erwarten, hat sie sich natürlich nicht nur auf Bach beschränkt. Eher durch Zufall haben wir Mitte Februar im Ungarischen Kulturinstitut ein unglaublich schönes und  beeindruckendes Klarinettenkonzert zu hören bekommen. Der Klarinettist Bence Szepesi verzauberte mit seinen Masterclass-Schülern das Publikum  beim diesjährigen Abschlußkonzert. Dass man Kunst auch genießen kann wenn es nicht die Originale sind, zeigte eine Ausstellung Mitte Februar Raffaello – und exposizione impossibile.

 

 Jugendstil-Gemüse März: Dieses Gemüse rechts hat es in den Brüsseler Jugendstil geschafft und ist immer wieder in Zeichnungen oder Verzierungen zu finden. Bevor der totale lockdown uns ins Haus verbannt hat, haben wir noch schnell einen Jugendstilspaziergang durch die Europäische Hauptstadt unternommen. Ich habe auch eine Serie begonnen “work in progress” der Brüsseler Stadtteile.
Weil ja Ausstellungsbesuche nicht mehr möglich waren, habe ich für Kultura Extra eine Reihe mit “Werkbetrachtungen angefangen. Sie hat mit der Apocalypse von Anger begonnen. Social Distancing wird das neue Schlagwort und Lebenskonzept und das erklärt am besten ein Bild von  Edward Hopper. Wie eine Quarantäne in der Renaissance ausgesehen hat, können  Sie hier lesen.

 

 April: Der sehr interessante, spanische Künstler, Gerardo Aparicio, hat sich mit seinen letzten und neuesten Zeichnungen auch Corona und seinen Auswirkungen gewidmet: Hier zwei Beispiele. Der Isenheimer Alter ist ein Wandelaltar, der in Colmar im Museum Unterlinden zu sehen ist. Hier kann man darüber lesen:  Isenheimer Altars.
Christus am Kreuz  des spanischen Malers Goya ist ein Osterbild. Goya ist sowieso einer meiner Lieblingsmaler. Hier geht es zu den  Capriccios im Madrider Prado, der übrigens eine ganz ausgezeichnete online-Präsenz hat. Meine 10 Lieblingsbilder im Prado verbergen sich hinter diesem link.
Einen kulturellen (virtuellen) Spaziergang durch den Zauberwald Bomarzo gibt es hier zu lesen. Das Madrider Museo Sorolla ist weniger bekannt aber durchaus – auch virtuell – sehenswert. Das Frankfurter Städel hat schon vor Corona sehr viel dafür getan, die unterschiedlichen Kunstepochen virtuell zu präsentieren.  Apollo und Daphne ist eine der schönsten Bernini-Skulpturengruppe, die in der Galeria Borghese in Rom zu sehen ist.

Im livestream aus der New Yorker MET hat uns  The mother of us all sehr beeindruckt. Zur Musik von Virgil Thompson hat Gertrude Stein das Libretto geschrieben.

 

stühle parlament  Zum 1. Mai habe ich mich mit einem Bild des eher unbekannten italienischen Malers Volpeda auseinander gesetzt. Der Vierte Stand beschreibt das Leben in Italien um die Jahrhundertwende.  Im Mai konnten wir ja immer noch nichts unternehmen und deshalb  habe ich eine Sparte auf dem blog eingerichtet mit Kochen in Corona-Zeiten. Die Werkbetrachtung zu dem Bild von  George Grosz im Mai war Stützen der Gesellschaft. Für Brettspiele haben wir ja auch wieder viel Zeit. Die Drei Schwestern beim Schachspiel ist ein bezauberndes Bild der italienischen Malerin Sofonisba Anguisola. Und im Zehlendorfer Wohnzimmer wurden virtuell die Konzerte wieder aufgenommen. Wer Lust auf mehr Konzerte aus dem Wohnzimmer aus der Zeit 2017-2019 hat, kann sie hier alle nachlesen. 

 

Dolmen Im Juni wurden die strikten Auflagen auch in Belgien etwas gelockert und die Grenzen zu Frankreich wieder geöffnet. Wir konnten ein paar Tage an den Atlantik fahren und haben die Steinreihen von Carnac besucht. Das zweite virtuelle Zehlendorfer Hauskonzert  fand im Juni statt. Madame Cezanne im roten Kleid war eine Juni Werkbetrachtung. Die interessanten Fresken von Tiepolo in Nürnberg sind hier zu lesen:  Besuch zum Nürnberger Treppenfresko.

 

Besenheide JuliKalmhoutse Heide - diesen Naturpark haben wir im Juli besucht und uns vorgenommen, im Herbst nochmals hinzufahren.      Blue and Green Music von Georgia O’Keffee ist ein Bild, das Töne und Farben verbindet. Eine weitere Bildbeschreibung war der Abschied von August Macke.

 

uch im August konnten wir ohne Probleme die Grenze überschreiten und haben nochmals ein paar Tage in der Vendée verbracht. Beim Zurückkommen mussten wir dann das Passenger Locator Formular ausfüllen und ein neuer lockdown lag schon in der Luft. Leider ist das Festival in Thiré für uns aber ins Wasser gefallen. An Werkbetrachtungen gibt es einen Feuerbach, Turner und die Toteninsel von Böcklin.

Angelika Kauffmann war eine Künstlerin, die  damals komplett aus der Reihe tanzte.

 

 

September: Wieder zurück in Brüssel sind auch die Vorschriften  strenger geworden und der Herbst kündigt sich an.  Eine Beschreibung von  Menzels Flötenkonzert findet man hier   Wir haben die Fondation La Hulpe besucht mit dem großartigen Park und an der Nordseeküste das Museum Delveaux. Beeindruckend ist auch das Freilichtmuseum Sart Tilman in Lüttich, vor allem mit zeitgenössischen Installationen – meist mitten im Wald.

 

Im Oktober endlich wieder ein wenig Theater. Die französische Theatergruppe hatte schon im Frühjahr viel Erfolg mit einen Stück, das für Außen konzipiert wurde.    C-O-N-T-A-C-T  fand  auch in Brüssel viel Aufmerksamkeit. Marie Laurencin ist eine heute eher unbekannte Malerin. In den Bild Apollinaire und seine Freunde hat sie gut ihre Zeit festgehalten. Das Goethe Institut hat am 3. Oktober  Die verschwindende Wand auf die Brüsseler Grand Place geholt.

Freilichtmuseum Brüssel ist ein Artikel über die Skulpturen – hauptsächlich aus dem 19. Jahrhundert – auf die man in Brüssel überall trifft. Ausführlicher bin ich in einem Buch darauf eingegangen.

 

Pünktlich zu den Wahlen im November in den USA habe ich mich mit dem Bild von Grant Wood  American Gothic auseinander gesetzt. Mehr braucht man gar nicht, um die Situation zu verstehen! Aber mehr Erfolg auf dem blog hatte die Ophelia von Millais. Ansonsten war der Herbst oft sonnig und hat zu Spaziergängen eingeladen. Hier ein paar Fotos zum Erholen – Brüsseler Herbstromantik in Sepia.

 

Im Dezember haben wir den schönen Park Solvay am Brüsseler Stadtrand besucht. Dort steht ein  riesiger Olmeken-Kopf. Brüssel hat als Stadt nicht wirklich einen guten Ruf und das Wetter ist meist grau. Aber diese Stadt ist von gigantischen Wäldern und üppiger Vegatation umgeben, sie hat im wahrsten Sinne des Wortes einen grünen Gürtel. Ansonsten gibt es hier die Werkbetrachtung von Caspar David Friedrichs Gemälde “Das Eismeer”. Passend zur winterlichten Weihnachtszeit kommt hier Bruegels Volkszählung in Bethlehem. Bruegel hat sich das Marollen-Viertel als Vorbild genommen und man sieht sogar ein wenig der alten Stadtmauer.  Schnee allerdings muss man heutzutage lange suchen in Flandern (oder Brüssel). Und stellvertretend für ein Feuerwerk: Van Goghs Sternennacht in Arles.

Wer wissen will, was alles nicht geht dieses Jahr:  hier ein paar Sitten und Gebräuche aus anderen Ländern

 

Es bleibt zu hoffen, dass 2021 wieder ein wenig Normalität mit sich bringt.

Frohe Feiertage und Alles Gute!

Tunnelmalerei in Les Marolles

Christa Blenk  

 

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La Fura dels Baus – Bach Heritage Festival 2020

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Divina Mysteria

Im Rahmen des Bach Heritage Festival 2020 kam am 7. Februar 2020 die katalanische Theatergruppe La Fura dels Baus nach Brüssel. Im Kammermusiksaal des Palais des Beaux-Arts führten sie die Bauernkantate (BVW 212) auf. Und wie bei dieser Gruppe nicht anders zu erwarten, hat sie sich natürlich nicht nur auf Bach beschränkt sondern eine Geschichte mit lebensgroßen Holzpuppen, Tanz, Flamenco, Videoprojektionen und viel Lärm erzählt.

Mittelpunkt war eine Geburtstagsfeier für den damaligen Finanzminister. Die erwartete innovative Spritzigkeit von Fura dels Baus hat ein wenig zu wünschen übrig gelassen, manchmal wirkte die Produktion chaotisch und nicht ganz ausgearbeitet. Den Mangel an Ideen haben sie vor allem mit einem erhöhten Geräuschpegel wett gemacht.  Zwischendurch klackerte immer wieder eine Flamenco-Tänzerin auf die Bühne, die vor allem das Bier pries (so bekam jeder Besucher vor der Vorstellung einen Gutschein für ein Glas Bier – wir sind ja schließlich in Belgien). 

Um Bier geht es natürlich auch in Bachs Bauern-Kantate, denn dieses wird ausgeschenkt anlässlich der Feierlichkeiten des Geburtstages von Carl Heinrich von Dieskau, seines Zeichens Lehn- und Gerichtsherr. Sein Steuereinnehmer Picander hat die Organisation über und muss gleichzeitig dafür sorgen, dass auch genug Geld dafür da ist. Ironisch-derb und zweideutig der Text, der vor allem von der Bäuerin Mieke und einem Bauern ohne Namen vorgetragen bzw. gesungen wird. Verstanden hat man nicht ein Wort, also an der Textverständlichkeit sollte noch ein wenig gearbeitet werden. Die Mitglieder von La Fura dels Baus verteilen zum Schluss auch untereinander Bier und Picander fällt betrunken um. 

La Fura dels Baus wurde 1979 gegründet und die Gruppe kann einige sehr interessante und bahnbrechende Produktionen vorweisen, darunter den Ring der Nibelungen in Valencia mit Zubin Metha 2007 oder Fausts Verdammnis für die Salzburger Festspiele 1999.

Christa Blenk

08.02.2020

 

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La Fura dels Baus wurde 1979 von Pere Tantinyà, Quico Palomar, Carles Padrissa und Marcel·lí Antúnez in Moià gegründet, verlagerte sich jedoch bald darauf nach Barcelona, wo die Gruppe um Pep Gatell, Jordi Arús, Àlex Ollé, Jürgen Müller, Hansel Cereza und Miki Espuma erweitert wurde.[4]

Im Laufe der 1990er-Jahre erweiterte die Gruppe ihre künstlerischen Projekte unter anderem auf das Sprechtheater, das „digitale Theater“ und die Realisierung von Großereignissen bzw. Events. Erstmals großes Aufsehen erregte La Fura dels Baus mit der Gestaltung der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele 1992 in Barcelona. Später wurde das Ensemble auch für große Werbeaktionen von Pepsi und Mercedes-Benz engagiert.

La Fura dels Baus - Bach Heritage Festival 2020 dans Musique 220px-Naumon

Die Naumon, Schiff und Bühne von La Fura dels Baus

Entsprechend ihrem Grundsatz der aktiven Partizipation der Zuschauer entwickelt La Fura auch Projekte im Internet wie work in progress 97, mit dem in einem digitalen Theater Szenen von verschiedenen Spielorten zusammengefügt wurden.

Mit Atlàntida von Manuel de Falla und Le Martyre de Saint Sébastien (Das Martyrium des heiligen Sebastian) von Claude Debussy wagte sich die Gruppe in die Welt der Oper. La Fura dels Baus inszenierte auch La damnation de Faust (Fausts Verdammnis) von Hector Berlioz an den Salzburger Festspielen 1999.

Im Palau de les Arts Reina Sofía von Valencia inszenierte die Truppe den Ring des Nibelungen von Richard Wagner mit Zubin Mehta am Pult, der von 2007 bis 2009 nach und nach auf die Bühne gebracht wurde und im Juni 2009 komplett auf der Bühne und im Herbst 2009 im Fernsehen (3sat) zu sehen war.

Der Tod: Zeitlos

jn und zeitlos

 

Death Comedy vom Feinsten:

Seit ein paar Jahren sind sie ein Team: der Tod und seine Praktikantin Exitussi. Er hat eine Sense, sie eine rosarote Kutte und absolutes Redeverbot. Das ist aber nicht so schlimm, denn mit Gesten, Turnübungen und intelligent-reaktiver Kreativität und Flexibilität bringt sie alles an den Tod, was man so wissen muss. Seit kurzem sind sie mit ihrem neuen Programm auf Tournee und waren am 22. und 23.6.2019 zu Gast im Berliner BKA Theater. Wie in den ersten beiden Programm geht es auch hier wieder darum, das Image des Gevatter Todes aufzubrezeln. 

Das neue Programm heisst „ZEITLOS“ und sprudelt nur so von Ideen, Politik und Gags. Der Sensenmann hat gleich zu Beginn des Abends Lose unters Publikum geworfen (was man allerdings gewinnen – oder nicht gewinnen – konnte, verriet er uns nicht). An diesem Abend musste Exitussi auf einen Vorschlag vom Publikum einen Vortrag über das Leben in der Steinzeit in Nordkorea „übersetzen“ und man glaubt gar nicht, was sie dazu alles aus der Kutte geholt hat. Der prall gefüllte Saal hat sich buchstäblich zu Tode gelacht.

Exitussi fliegt zu Beginn des Programms als Eintagsfliege und philosophierend im Kreis über die Bühne und tritt zum Schluss nochmals mit Rollator auf – ihre drei verstorbenen Ehemänner bedauernd.

Also zu Tode langweilen ist nicht – was dem Tod dann natürlich wieder leid tun dürfte, er schlägt sich damit sozusagen selber ein Schnippchen.

Hier heißt es nur: bloß nicht verpassen. Wenn Ihr wieder mal über Stunden so richtig lachen wollt, dann geht es hier zum Zeitplan für die nächsten Wochen:

Vier abendfüllende Programme hat der Tod bis jetzt (“Mein Leben als Tod”, “Tödliche Weihnacht”, “Happy Endstation” und nun “Zeitlos”) hat DER TOD. In der Mitternachtsshow  “Die Geisterstunde” lädt er sich Gäste, die beruflich für ihn interessant sind. Hier baut er sich ein professionelles Netzwerk auf.

Exitussi ist nicht nur eine begabte Praktikantin, sie illustriert seit 2018 regelmäßig Cartoons, die aus ihrer beruflichen Zusammenarbeit mit dem Tod entstehen. Ihre Bilder sind mittlerweile zum Kult geworden und werden in Ausstellungen gezeigt oder in Zeitschriften abgedruckt. Das Programm “Tödliche Weihnacht” hat Exitussi illustriert und für das Programm “ZEITLOS” entwarf sie die Ampel-Tödchen, sowie die Höhlen-Malereien.

Die beiden sind ein höllisch-gutes Team!

Webseite Endlich-Tod.de

cmb

 

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Highlights 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

Wie schon in den vergangenen Jahren kommt hier ein Rückblick auf die kulturellen Highlights 2018 in Berlin und anderswo.

Begleitet und illustriert werden die Berichte dieses Mal von Fotos der französischen Atlantikküste.

 

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 Le Gois 

 

Mehr als 300.000 Menschen von Berlin bis Neuseeland haben Barrie Koskys amüsant-absurde und gewöhnungsbedürftige Produktion für die Komische Oper von Mozarts Zauberflöte in der Inszenierung der britischen Theatergruppe 1927 gesehen und diese Mischung  aus Zeichentrick- und Action-Stummfilm meist gemocht, obwohl sie Mozarts große Oper auch ein wenig verrät!   2017 war von dieser Gruppe Petruschka hier in Berlin auf der Bühne zu erleben.

Entdeckt hatten wir die Zehlerdorfer Hauskonzerte schon 2017. Aber auch im vergangenen Jahr brachte die Hausherrin von der Glasharfe bis zu Schubert ganz unterschiedliche Künstler zu sich in das musikalische Wohnzimmer und überraschte das Publikum mit ihrem Programm immer wieder.

 

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Bildhauerinnen der Moderne war der Titel  einer Ausstellung im Kolbe Museum, welches immer wieder die spannendsten Kombinationen in den schönen Ausstellungsräumen am Berliner Stadtrand zusammenstellt. Die  Ausstellung Zarte Männer in der Skulptur der Moderne läuft noch bis Februar 2019. Die Ausstellungsszene in Berlin ist ja sonst eher mager und das Angebot an Ausstellungen ist sehr verbesserungsfähig. Das Bröhan Museum brachte im ersten Halbjahr eine Sammelausstellung “Berliner Realismus” und nach dem Sommer eine Schau über  Georg Grosz  - beides durchaus erwähnenswert. Der Hamburger Bahnhof versuchte mit einer kleinen Ausstellung über Otto Müller  das Fehlen (Umbau immer noch nicht fertig) der Neuen Nationalgalerie aufzufangen. Diese Ausstellung läuft noch bis März 2019. Erwähnenswert auf jeden Fall die Ausstellung Leben ist Glühn mit Bildern des deutschen Expressionisten Fritz Ascher (1893-1970), die in der Berliner Villa Oppenheim und im Museum Potsdam zu sehen waren.

Ansonsten ist hier das Portrait über die Künstlerin Schirin Fatemi für KULTURA EXTRA zu lesen und ein langer Bericht über eine großartige Ausstellung im Grand Palais in Paris über Kupka.

„Banned Art“ sollte die Ausstellung, die 1938 in London als Antwort auf die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München organisiert wurde, ursprünglich heißen. Um ihr aber das Politische zu nehmen, nannte man sie schließlich nur  « Twentieth Century German Art« . Angeblich sollen über 300 Exponate für diese Schau nach London geschickt worden sein. Gezeigt werden konnten  – aus Platzgründen – schließlich nur 270 Werke. Eine so große und bedeutende Ausstellung deutscher moderner Kunst  hatte es bis dahin in England noch nicht gegeben. Die Villa Liebermann am Wannsee hat mit sehr viel weniger Werken aber guten Texten, die Ausstellung nochmals aufleben lassen.

 

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Mit Das Wunder der Heliane und Die tote Stadt  gab es von dem in Österreich geborenen Komponisten Erich Wolfgang Korngold  gleich zwei sehenswerte Produktionen in Berlin. Korngold ist aber heutzutage vor allem wegen seiner vielen Preise für Filmmusik in Hollywood bekannt.

Aus der Begegnung im Jahre 2009 von Robert Wilson und Arvo Pärt im päpstlichen Wartesaal in Rom ist Adams Passion entstanden. Nacho Duato war 2018 schon auf dem Sprung das Staatsballett vorzeitig zu verlassen. In der Komischen Oper wurde nochmals eine seiner besten Produktionen “Herrumbre” aufgeführt.

Abgelöst wurde er im Sommer 2018 von Johannes Öhmann. Sasha Waltz wird in diesem Jahr die Ko-Direktion übernehmen. Öhmann Einstieg hätte besser nicht sein können mit der Doppelproduktion Celis – Eyal. Rauschender Applaus und viel Vorfreude auf Zukünftiges – vor allem von Eyal!

 

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Die Premiere von Benjamin Britten « The turn of the screw  fand schon vor fünf Jahren in der Staatsoper statt und kann seitdem immer wieder das Haus füllen. Britten komponierte die Oper 1954  nach einer Erzählung von Henry James. Hans Werner Henze fühlte sich ein wenig als kleiner Bruder von Britten. Ein großartiges Erlebnis im Herbst war die Aufführung von Hans Werner Henzes  Werk “El Cimarron” in Gelsenkirchen in einer Produktion von Michael Kerstan, das im Rahmen der Konzertreihe „Musik erzählt von Freiheit“  im Kulturraum Die Flora in Gelsenkirchen aufgeführt wurde. Diese Reise von Berlin ins Ruhrgebiet hat sich allemal gelohnt.

Im März verzauberte das Freiburger Barockorchester mit Pergolesis Intermezzo la serva padrona“ das Berliner Publikum. Passend dazu gab es in der Fenice in Venedig “I tre Gobbi” - Commedia dell’arte pur. Auch Rossini liebte es, sich bei der Commedia dell’arte zu bedienen und das hat Katharina Thalbach mit dem Barbier von Sevilla sehr ernst genommen.  Der Theaterregisseur Jan Bosse legte mit Rossinis « Il viaggio a Reims » in der Deutschen Oper eine Punktlandung, bei der fast alles stimmte, hin. Eine geniale Interpretation des Wartens!

 

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 Austernsteg in der Vendee

Aber um Warten ging es auch bei Salvatore Sciarrinos neuer Oper Ti vedo ti sento mi perdo” . Harrte man aber in Reims geduldig aus, um endlich von einem Ort wegzukommen, so lässt Sciarrino die Künstler während der Generalprobe einer Stradella-Oper im Palazzo Colonna  auf den Maestro selber warten.

Auf eine eine Heimweh-Reise schickte uns der argentinische Komponist und Bandeonist Daniel Pacitti mit einem gelungenen Konzert in der Philharmonie Viaggio in Argentina”. Im Vorjahr brachte er das Luther Oratorium “Wir sind Bettler” als Auftragsarbeit auf die Bühne.

Die Neuköllner Oper enttäuscht eigentlich nie. Mit  “Welcome to Hell”  hat sie den umstrittenen G 20 Gipfel von Hamburg aufgearbeitet und mit Wolfskinder  das Humperdinck Märchen Hänsel und Gretel neu erzählt. Das Original dieser Kinder-Erwachsenen Oper wurde im pünktlich zur Weihnachtszeit und alle Jahre wieder in der Staatsoper aufgeführt. Eine weitere beeindruckende Produktion war Kreneks Oper Der Diktator.

 

Vendée2013-März 112

 

Olafur Eliasson ließ erboste Götter und nachtragende Frauen über einen Star Wars Himmel donnern und zauberte so ein modernes Versailles für Rameaus Hippolythe et Aricie. Ein französisches Opern Pasticcio präsentierte mit “Les beaux jours de l’amour” (die schönen Tage der Liebe) der französische Dirigent Raphael Pichon mit einem Programm aus Opern von Rameau und Gluck .

Den 200. Geburtstag von Jacques Offenbach (1819 – 1880) feierte die Komische Oper mit einer neuen Produktion der Oper „Blaubart“ . Stefan Herheim führte Regie und versuchte, die Kult-Inszenierung von Felsensteins wieder aufleben zu lassen, die  zwischen 1963 und 1992 knapp 400 Mal zur Aufführung kam.

 

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 Salzland

Marie Bäumer spielt Romy Schneider bei einem Kurzaufenthalt in der Bretagne. Drei Tage in Quiberon heisst das Opus. Auch der Film Transit spielt in Frankreich, aber während des Krieges, und diese Zeit ist auch Protagonist bei dem sehr gelungenen Film Der Trafikant.  Ballon basiert auf einer wahren Begebenheit und kam Ende September 2018 in die deutschen Kinos. Sechs Jahre hat der Regisseur und Produzent Michael Herbig daran gearbeitet und mit einzelnen Familienmitgliedern oder Hauptprotagonisten gesprochen. Der Film beschreibt die Flucht 1979  in einem selbst gebauten Heißluftballon von  der DDR in den Westen: an Bord die Familien Strelzyk und Wetzel.

Die Beelitzer Heilstätten animieren dazu, erneut den Zauberberg zu lesen. Ein Besuch über die Glienicker Brücke zur Villa Schöningen hingegen bringt den Spion der aus der Kälte kam wieder auf den Nachttisch. Wer Thomas Mann und John le Carre aber nicht mehr lesen mag, kann sich mit der Hauptstadt  von Robert Menasse vergnügen, hier wird die Europa-Hauptstadt Brüssel aufs Korn genommen.

In der Villa Schönigen waren 2018 übrigens auch die Kostüme für den Bayreuther Lohengrin zu sehen, die das Künstlerpaar Rosa Loy & Neo Rauch entworfen hatte.

Leo Janácek hat sich mit seinem Spätwerk „Die Sache Makropulosmit dem Thema “Alt werden oder Jung bleiben müssen” befasst, beeindruckt und inspiriert von einem damals ganz neuen Theaterstück von Karel Capek

Michael Thalheimer hat Brechts „Kaukasischen Kreidekreis“ am Berliner Ensemble, mit großartigen Darstellern  inszeniert und minimalisiert. So ganz ohne Bühnenbild und viel Elektro-Guitarre.  Beeindruckend auch Karin Henkels  geschlechterlose Interpretation der Drei Schwestern.

Zum Dezember gehört auch das Weihnachtsoratorium  und besinnliche Kirchenkonzerte wie sie sie zum Beispiel die  Gemeinde der Sophienkirche organisiert.

 

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Dies ist nur eine Auswahl unter vielen anderen Artikeln und Beobachtungen! Und jetzt kann das neue Jahr mit vielen neuen Ausstellungen und Musikveranstaltungen beginnen.

Alles Gute!

cmb

Fotos (c) Christa Blenk

hier die links zu den blog-Highlights der vergangenen Jahre

Highlights 2017

Highlights 2016

Highlights 2015

Highlights 2014

 

 

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I Tre Gobbi – Teatro La Fenice

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Acqua Alta in Venedig

 

Der große italienische Komödienschreiber Carlo Goldoni (1707-1793) schrieb das Libretto zu Vincenzo Legrenzio Ciampis Intermezzo musicale „La favola de tre gobbi“ (Die Geschichte der drei Buckeligen). Das Werk entstand 1749 in Venedig.

Michele Modesto Casarin (der auch selber mitspielt) und Alberto Maron haben in einer gemeinsamen Produktion des Teatro La Fenice, der venezianischen Theaterkompagnie Pantakin Commedia und dem Woodstock Teatro eine Bearbeitung in Anlehnung an die Musik von Ciampi ausgearbeitet und diese mit Ilenia Tosatto (Sopran), Andrea Biscontin (Tenor) sowie dem Ensemble Harmonia Prattica im November 2018 in der Sale Apollinee aufgeführt. Kostüme und Masken sind von Licia Lucchese und Roberta Bianchini.

Alessia D’Anna, Claudio Colobmo, Davide Dolores, Michele Modesto Casarin haben hier die  Commedia dell’Arte wieder aufleben lassen und mit viel Witz, Humor, Slapstick, Begeisterung und schöner Musik ein permanentes Lächeln auf die Gesichter der glücklichen Zuschauer gezaubert, das noch ganz lange in den Abend hinein angehalten hat.  

Zur Geschichte: Carlo Goldoni ist nicht gut drauf. Leicht angetrunken torkelt er auf die Bühne, er hat eine Schaffenskrise und vor allem Schulden, die fällig werden. Die Geldeintreiber Beccaferro und Tagliacarne, zwei trottelige Gesellen, stehen vor seiner Tür und drohen damit, seine Fußsohlen abzuschneiden, wenn er nicht endlich die Schulden, die er beim venezianischen Edelmann Grimani hat, zu begleichen. Da er aber nicht bezahlen kann, verspricht er, etwas zu schreiben und schindet so noch drei Tage Aufschub heraus. Seine Dienerin, Catte (großartig Alessia D’Anna), rät ihm, das Theater doch endlich sein zu lassen,  versorgt ihn aber vor dem wichtigen Projekt noch mit Rosolio. Goldoni, voller Schaffenseifer, widmet sich aber mehr dem Alkohol als den Wörtern und schläft die drei Tage durch, spricht: er verschläft seine Chance. Catte weckt ihn, als die Zwei wieder auftauchen. Eine wilde und köstlich gespielte Jagd beginnt und schließlich bekommt er nochmals eine Galgenfrist bis zum Abend. Catte erzählt ihm die Geschichte der drei Buckeligen und er schreibt sie direkt den Darstellern (die beiden Geldeintreiber und er selber) auf den Leib. So wird sein Schreibzimmer zur Bühne und Catte zu der vornehmen Madame Vezzosa, in die sich die drei Buckeligen verlieben. Dichtung, Realität und Komödie vermischen sich und Catte träumt von einer Karriere als Schauspielerin. Zum Schluss schlägt Goldoni vor, die Musik von Ciampi komponieren zu lassen.

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Mehr kann man von Volkstheater nicht verlangen!
Bravi.

Christa Blenk

 

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Blog Highlights 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

Hier sind nochmals die kulturellen Highlights der letzten 12 Monate nachzulesen, Verbindungen werden hergestellt und Brücken gebaut – wie es nur Musik und Kunst fertig bringen. Dieses Jahr wird der Übergang von einem Kulturevent zum anderen über eine venezianische Brücke von statten gehen. Es geht deshalb auch nicht immer chronologisch zu auf dieser Reise durch 2017!

P1060051 Avanti Avanti. Mit einem spritzigen Silvesterkonzert in der Komischen Oper fing das kulturelle Jahr 2017 an. Max Hopp rollte Volare Volare singend (und tanzend) mit der Vespa (aber nicht mit dieser – diese habe ich auf der Biennale in Venedig entdeckt) auf die Bühne – jedenfalls hatte er das vor … aber lesen Sie selber.

Brücke ohne Geländer Tanzend ging es auch gleich weiter mit den Tanztagen in Berlin . Surrealistisch und perfekt. Duato Shechter gab es in der Komischen Oper. Großartig war auch eine Aufführung des Nederlands Dans Theaters Anfang Dezember.

venezia3  Die Kriminellen der Frau A   war ein ausgesprochen packendes Erlebnis zwischen Theater, Kunst und Musik. Die Oper Ovartaci crazy, queer & loveable ist ein work in progress und erzählt Abschnitte aus Ovartacis Leben. Wir freuen uns schon auf den nächsten Teil!

P1050886 Viel klassische und konventionelle Oper gab es natürlich auch. Hervorzuheben  Salomé in der Deutschen Oper, eine großartige Aufführung von Purcells King Arthur. Abwechselnd zwischen Staatsoper, Komischer Oper und Deutscher Oper gibt es Berichte über  Petruschka, Hoffmanns Erzählungen, Don Giovanni, Der fliegende Holländer, Jacob Lenz, Elektra , La damnation de Faust oder Lohengrin. Sehr zu empfehlen hier Philipp Glass’ Satyagraha  in der Komischen Oper und L’Invisible von Aribert Reimann in der DO. Nicht sehr überzeugend und ein wenig langweilig war Tod in Venedig.

P1050884 Das Georg Kolbe Museum hat gleich drei großartige Ausstellungen in den eher armen Berliner Ausstellungshimmel geschossen. Georg Kolbe im Netzwerk der Moderne , eine umfassende Recherche über Flechtheim und kurz vor Jahresende Emil Cimiotti. Dazu passte perfekt die Ausstellung über Rudolf Belling.

P1050881 Hannover  hat außer einer ziemlich guten Oper auch noch viel Kunst zu bieten. Auf der Skulpturenmeile trifft man auf viele Bildhauer des 20. Jahrhunderts aber natürlich hat sich die Reise schon gelohnt, um dort Hans Werner Henzes Englische Katze”  zu sehen. Später im Jahr wurde dann auch die Oper LOT  von Giorgio Battistelli dort aufgeführt. In der Ausstellung Manifesto spielt Cate Blanchet 13 verschiedene Rollen. Diese Ausstellung ging durch alle wichtigen europäischen Museen.

1 Das Pariser Centre Pompidou ist immer einen Abstecher wert. Die jeweiligen Restrospektiven über Cy Twombly und David Hockney haben das wieder bewiesen. Jean Noel Pettit hat Cy Twombly ins Französische  übersetzt.

P1050882  Und wieder über eine Brücke und es geht ins Theater. Davon hat Berlin auch genug. Jeanne d’Arc in einem weißen Würfel im Gorki Theater, Wut  am Deutschen Theater, der gefräßige und feige König Ubu, eine enttäuschende Phädra und Caligula  am Berliner Ensemble mit Kettensägen und Wahnsinn.  Sehr gut The Situation im Gorki Theater und weniger gelungen Michel Houellebecq  Unterwerfung. Highlight war sicher die FAUST  Aufführung in der Volksbühne und der damit verbundene Abschied vom Theater-Wüterich Castorf. Kurz vor Jahresende war er dann Gast im Berliner Ensemble mit einer sehr freien Interpretation von Hugos Les Misérables.

P1050924 das wunderbare Ensemble Concerto Romano kennen wir schon aus Rom. 2017 konnten wir sie gleich zweimal in und um Berlin erleben. Einmal mit der herausragenden Aufführung Ad Arma Fideles beim Äquinox Festival und ein zweites Mal beim Göttinger Musikfestival.

P1050875 Aber jetzt wieder ein wenig Kunst. In der Biennale von Venedig hat mich am meisten die side show von Michelangelo Pistoletto interessiert. Er installierte seine Arbeiten in der Palladio-Umgebung.

Gut die Schau über Friedrich Kiesler im Gropius Bau oder die Präsentation von Jeanne Mammen in der Berlinischen Galerie. Im Hamburger Bahnhof war Hanne Darboven zu sehen und eine Entdeckung war  Jan Toorop. Ansonsten hat sich die Kunst in Berlin eher zurückgehalten.

P1050873 Jetzt mit einem großen Sprung über diese Brücke zur zeitgenössischen Musik. Hier ist das Festival Hofklang Anfang September hervorzuheben. Unerhörte Musik gibt es meistens am Dienstag im BKA. Korpus  oder e-werk waren u.a. zu Gast.  Ulrike Brand war auch in einer Performance Walls and Waves  in einer Kirche zu erleben.

P1050870 Überraschend eine Aufführung in der Ahlbecker Kirche auf Usedom von Pergolesis Stabat Mater. Usedom war sonst eher enttäuschend, aber gelohnt hat sich auf jeden Fall ein Besuch im Museum von Otto Niemeyer-Holstein. In dem Artikel zwischen Ostsee und Achterwasser  ist es beschrieben.

P1050850 Und über diese Brücke kommen wir zur Orgel und zu der Orgel-Ikone Matthias Eisenberg. Später im Jahr – zu Luthers Geburtstag – reisten wir ihm nach Leipzig nach und daraus wurde ein musikalisches Leipzig-Wochenende. 

P1050826 Aber auch Robert Wilson beschäftigte sich mit Luther und seinem Jubiläum mit der etwas konfusen Aufführung “Luther dancing with the Gods im Pierre Boulez Saal. Kammermusik mit und ohne Worte und ein Auftritt des großartigen Klarinettisten Jörg Widmann sind ebenso beschrieben.

2 Auch der argentinische Komponist und Bandeonist mit italienischen Wurzeln Daniel Pacitti befasste sich mit Luther. Im Juli wurde in der Philharmonie sein Oratorium Wir sind Bettleruraufgeführt mit Roman Trekel in der Hauptrolle. Kennen gelernt allerdings haben wir Pacitti bei einer ganz anderen Gelegenheit, nämlich bei einem kreolischen Tangoabend in den Räumen der Freien Volksbühne.

P1050816 Bei einem wunderbaren Hauskonzert in Zehlendorf hat Pacitti seine dritte Seite präsentiert. Das zeitgenössische Stück mit Einflüssen aus seiner Heimat. La Cruz del Sur wurde von zwei virtuosen jungen Solisten (Klavier und Querflöte) vorgetragen. Ausgeklungen sind die Zehlendorfer Hauskonzerte mit Werken von  Franz Schubert.

P1050920 In der Kunst und Ausstellungshalle in Bonn gab es eine sehr gut zusammen gestellte Ausstellung von Ferdinand Hodler  und München befasste sich mit dem 19. Jahrhundert in der Ausstellung GUT WAHR SCHÖN . Diese beiden Artikel sind u.a. auch auf KULTURA EXTRA  erschienen.

P1050894 Der Sommer in der Vendee besteht nicht nur aus Palourdes sammeln oder Strandspaziergängen. In Thiré findet jedes Jahr das Festival “Dans le Jardin de William Christie” statt. Dieses Jahr Monteverdi  gewidmet. William Christie war auch im Dezember zu Gast in der Philharmonie mit einer fantastischen Aufführung von Monteverdis Selva spirituale e morale”. Aber auch die Staatsoper feierte den großen Monteverdi mit einer sehr schönen Aufführung von L’incoronazione di Poppea.

Auch die Neuköllner Oper widmete Monteverdi einen Abend – bei Combattimento x 2 geht es in den Wrestler Ring!

P1050850 In einen anderen Garten – nämlich in den von Guillermo Lledó - führte die diesjährige Madrid-Reise. “Plaza para un hombre solo” ist eine Skulptur und die Eröffnung dieser wurde ganz groß in seinem Garten in einem Madrider Vorort gefeiert mit Künstlern und Madrider Kunstwelt. Madrid ist eine Kunst-Stadt, ein wenig davon ist hier auch beschrieben: Mateo Mate, Rosa Barba, Franz Erhard Walter. Das Museo Reina Sofia hatte eine umfangreiche Ausstellung zu Picasso und Guernica organisiert. Piedad y terror en Picasso.

P1050892 der argentinische Künstler Nestor Boscoscuro lebt in Berlin und in Buenos Aires. Mit ihm wurde die Portrait-Serie für KULTURA EXTRA erweitert.

P1050877 Die Aufführungen der Neuköllner Oper lohnen sich ebenfalls immer und sind jedesmal überraschend und erfrischend. Unter anderem gab es dort Combattimento x 2, Fuck the Facts und eine sehr freie Interpretation der Bettleropera.

P1050948 Pellworm – wo ist das denn? Aber eine Reise dorthin lohnt schon deshalb, weil diese Ecke in der Nordsee eine Art Atlantis ist – umgeben von Mythen und Sagen.

P1050818 The future is female war der Titel einer Reihe von Aufführungen  in den Sophiensälen. HUMBUG  wurde durch OPERALAB aufgeführt, war sehr amüsant und führte in die Zirkuswelt. In Norway Today  waren die zukünftigen Sophies Rois oder Wuttkes dieser Welt zu sehen.

P1060047 Das Colombian Youth Orchestra erfand Strawinsky neu und das auch noch im Konzerthaus am Gendarmenmarkt  und Josep Pons dirigierte Ravel, Falla und ebenfalls Strawinsky.

P1050928Bei dem Buch Eine Sinfonie der Welt” geht es auch um Musik. Hier beschreibt Alexander Bertsch das Leben eines Komponisten in der Nazi-Zeit.  Ein schönes Buch!

Brücke ohne Geländer Hoch im Norden lebt der Dorfpoet  und macht sich über sich selber und die Welt lustig -  aber lesen Sie selber.

 

Einen Guten Rutsch mit Trauben, Linsen oder anderen Bräuchen  wünsche ich allen Leserinnen und Leser und ich freue mich auf Ihren Besuch im nächsten Jahr!

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Christa Blenk

 

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Humbug – OPERALAB Berlin

P1060258

 

„Wer will nochmal, wer hat noch nicht“

Humbug

Der US Zirkuspionier, Kulturmanager und Marketing-Genie  P.T. Barnum alias Prince of Humbugs (wie er sich selber nannte) kaufte 1841 das Amerikanische Museum in New York. Dort präsentierte er seine Wunderkammer und allerlei seltsame Lebewesen – wobei es nicht immer ohne Tricks zuging. Im Laufe seines Direktorendaseins füllte er jedenfalls die Kassen und lockte 38 Millionen Besucher mit seiner Mischung aus Völkerkunde, seltsamen Lebewesen, kleinen Schwindeleien und exotischen Gegenständen in das Museum.

Bei dem Stück Humbug geht es um den Mythos der Meerjungfrau und Barnums größten Coup. Wir zahlen unseren Obolus und treten ein in die Freak-Show. In der Mitte auf einer Bühne liegt das Fabelwesen und redet auf eine Büste ein, sie wartet auf ihre Erlösung. Die drei Frauenstimmen sind dreimal die Person von Barnum (Gina May Walter und  Nina Guo, Sopran) und Luise Lein, Mezzo – manchmal übernimmt eine der Protagonisten in eine andere Rolle, so wird z.B. Luise Lein kurzfristig zum Seefahrer Odysseus, der sich von Barnum Nr. 1 fesseln lässt, um den Verlockungen der Sirene zu entkommen. Singen kann diese Fischfrau allerdings nicht, denn man hat ihr vorher die Stimmbänder aus dem Mund gezogen.  Ab und an wird sie mit Plastik gefüttert.

Aber zu diesem Kuriositätenkabinett gehören auch auf die Musiker, die sich vor ihrem Einsatz dem Publikum präsentieren. Da ist die bärtige Frau (Evdoxia Fillipou, Schlagzeug), der Mann mit Brüsten (Pedro Pablo Camara Toldos, Saxophon) und Mia Bodet am Keyboard, die eine Art rosaroter Menschenaffe sein könnte. Die drei Zirkusdirektoren tragen bunte Jacken mit Kordeln und Zylinderhut. Irgendwann wird unsere Meerjungfrau sehr gekonnt aus der schwarzen Plastikmülltütenhülle geschält und scheint erlöst. Unsicher und mühsam versucht sie immer wieder auf die Beine zu kommen bzw. zu flüchten, was die Direktoren natürlich nicht zulassen wollen, denn sie sorgt ja schon für gute Einnahmen.

Zum Schluss sitzt das Fabelwesen, eine Mischung aus Sirene, Udine und Andersens kleiner Meerjungfrau, auf einem Hocker. Sie hat nun Beine, aber immer noch keine Stimmbänder und zerlegt ganz kunstvoll eine Dorade, während die drei Sängerinnen im minimalen Loop-Stil und beeindruckenden Stimmen ihre Verse singen.  Dann hält sie uns die Fischgräte hin, die wie eine Meerjungfrau  aussieht.

Großartige Leistung der Meerjungfrau (Margaux Marielle-Tréhouart). Sie entwarf auch die Choreografie.

Opera Lab Berlin im Ackerstadtpalast hat aus einem fünfteiligen Liedzyklus des österreichischen Komponisten Bernhard Lang (*1957) eine Musiktheater-Kurzoper für Frauenstimme und drei Instrumente arrangiert. „Songbook I“ für Frauenstimme, Saxophon, Keyboards und Schlagzeug entstand schon im Jahre 2004. 2017 hat er sie überarbeitet und diese Version im Ackerstadtpalast nun zur Uraufführung gebracht. Die Lieder „Watchtower“, „Ophelia“, „Count 2 4“, „Burning Sister“ und „Another Door … for Jenny“ sind der Sängerin Jenny Renate Wicke gewidmet, die 2007 verstarb.

Regie führte Michael Höppner, die fantasievollen Kostüme entwarf Aurel Lenfert. Musikalische Leitung hatte David Eggert.

Auf jeden Fall haben wir uns köstlich amüsiert, obwohl die Musik durch das aufregende Geschehen in der Zirkus-Freak-Show zu kurz kam. 

Das Ensemble für zeitgenössisches Musiktheater, Opera Lab Berlin, gibt es seit 2013.  Humbug ist die neunte Produktion (IM FELD#9).

Nicht ganz zu verstehen war, warum die Hocker an das Publikum erst dann verteilt wurden, als es sich alle schon auf dem Boden bequem gemachten hatten. Aber das gehörte sicher auch zur Inszenierung …..  ….

Christa Blenk

 

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Fuck the facts – Neuköllner Oper

P1050687

 

Neuronen, Binärcodes und Bytes sausen und rechnen im Schnelldurchlauf über die Wand. Botschaften darauf sind fast nicht zu lesen, so schnell geht es. Bevor man etwas verstanden hat, ist es schon wieder vorbei, bzw. hat sich weiter entwickelt.

Und so geht das eine gute Stunde – so lange dauert die Aufführung. Wie ein frischer Wind weht sie an uns vorbei. Da einzig Verlässliche ist Händels Messias Musik, die stimmgewaltig und mit gekonnter Leichtigkeit von den umwerfenden Darstellern ins Publikum geschmettert wird.

“Willkommen im Zeitalter der Selbstermächtigung. Einfach den Rechner anschalten und twittern, posten und trollen was das Zeug hält. Self-entitlement worldwide, das galt für die Virtual Spaceriders des Artischocken-Kultes schon immer. Motto: Make Internet great again! Aber was passiert, wenn die Artischocken sich gegenseitig an die Gurgel gehen? Um einen Wald in ein Häuflein Asche zu verwandeln braucht es nur eine Zigarette. Um das Internet brennen zu lassen braucht es nur einen tweet. Ob Fake, ob Fakt oder Fiktion? Egal, ICH habe gesprochen. ICH brauche keine Gegenrede, ICH bin schon Demokrat. Fuck the facts, you`re not my Dad! Unsere fiktive Geschichte spielt (auch) mitten in Berlin. / Informiert durch einen wahren Fall zwischen messianischer Heilserwartung und tribal justice im Global Village. Wir fragen: Wer spricht eigentlich da draußen im privatisierten Internet-Gericht? Wer sind die selbsternannten Cyber-Sheriffs? Und warum haben sie uns ein großes Holzpferd mitgebracht?” (Quelle: Neuköllner Oper)

Aber worum geht es eigentlich? Es geht um Hacker, Verrat, Überwachung und Versprechen, meist um die nicht eingehaltenen. Und um Opfer, die man bringen muss, damit sich etwas ändert. Robespierre, der strenge Jakobiner (aber Jake heißt nicht wegen ihm so sondern wegen Jacob A.),  hat das auch so gesehen. Um ihn zu zitieren, hat die Party auch in Kleidern aus seiner Zeit stattgefunden und die Verse imitierten den Rhythmus des 18. Jahrhunderts, den von Voltaire oder Schiller, diese haben ebenfalls mit scharfem Blick, Spott und Sarkasmus die Missstände ihrer Zeit kritisiert. Aber die Errungenschaften unseres Jahrhunderts ermöglichen natürlich viel mehr (Überwachungs)Möglichkeiten. Leicht und spritzig ist die Aufführung, geht in die Tiefe ohne schwerfällig zu werden. Die Geschichte verliert sich dann doch sehr schnell – wie wäre es anders zu erwarten – im allzu Menschlichen, aber einiges muss  man dann doch ernst nehmen!

Basieren tut das Ganze auf einer Materialsammlung der Journalistin Anna Catherin Loll über den Fall des US Journalisten und Internet Hackers Jacob Appelbaum.  Großartig kommen die vier Darsteller Allen Boxer, Hrund Ósk Árnadóttir, Angela Braun, Mario Klischies und Bijan Azadian rüber. Sehr beeindruckend der US Bariton Allen Boxter und die isländische Koloratursopranistin Hrund Osk Árnadóttir, die sicher auch ohne Mühen einen kompletten Messias durchstehen würden.

Loll hat auch den Text zu dem Stück verfasst; Regie hat Christina Römer geführt. Bijan Azadian hat die vier Darsteller auf seinem Spinett des 21. Jahrhundert begleitet und “dirigiert” . Die Musik stammte aus  Georg Friedrich Händels Messias und zeigt wieder einmal, wie modern und rhythmisch Barockmusik doch ist.

Christa Blenk

 

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Luther dancing with the gods

 
2017-10-04 15.29.45

 

Bewegte“ Musik

“Ich weiß ein Wort, das hat ein L; wer das sieht, der begehrt es schnell. Wenn aber das L weg und fort ist, Nichts Bessres im Himmel und auf Erden ist. Hast Du nun einen weisen Geist, so sage mir, wie das Wörtlein heißt”. (Ein Rätsel: Gemeint ist “Gold” – “God” für “Gott” – aus einer Luther Tischrede)

Anläßlich des 500. Jahrestages der Reformation hat der New Yorker Regisseur Robert Wilson gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin das Projekt Luther dancing with the gods entwickelt. Eine Schöpfung aus Text und Musik, Klang, Bewegung, Licht und Bild. Das Team inszeniert damit gleichzeitig die erste szenische Produktion für den Pierre Boulez Saal.

Motetten von Johann Sebastian Bach bilden den musikalischen Drehpunkt dieser Aufführung. Angereichert ist die Performance mit „Immortal Bach“ einer Improvisation  zu Bachs Lied “Komm, süßer Tod” von Knut Nystedt und einer großartigen Präsentation von Steve Reichs „Clapping Music“ auf der einen Seite und mit Texten von Luther, Übersetzungen, Bibelextrakten, Streitgesprächen, Rätseln sowie einem Text des amerikanischen Dichters William Carlos Williams auf der anderen.

Zwischen den Bach-Motetten hat Wilson seine bekannten Kneeplays eingebaut. Theatralische Mittel als Verbindungsstelle zwischen den Hauptakten: Luther als Kind, als Streitender, als Sterbender und irgendwie auch als beweinter Abwesender.

Alles fließt: Der ausgezeichnete, in strenge Mönchskluft gekleidete Chor, hat hier Ballett- und Schauspielaufgaben zu übernehmen. Sie waren ständig auf Pilgerschaft durch den Raum und über die Treppen; der Musik hat das gut getan und das Publikum hatte einen Chor „zum Anfassen“, ja man fühlte sich als Teil davon.

Es geht hier um Zeit und Kunst in und um Luthers Epoche und danach. Aber auch der Dreißigjährige Krieg wird zitiert, wenn sich der in einem Boschschen Heuwagen sitzende Teufel gestikulierend auf die Bühne kutschieren lässt und sich zu Luthers Tanz mit den Göttern gesellt. Keiner hat die Übel und Plagen der Menschheit besser gemalt als Bosch oder Bruegel! Wilson zitiert den Krieg mit weißen Speeren, inspiriert durch das Holbein-Bild „Schweizerschlacht“; es entstand 1524, in dieser Zeit arbeitete Luther an der ersten Bibelübersetzung. Überhaupt haben Wilson und sein Team der Kunst eine Hauptrolle in dieser Aufführung zugedacht. Der rote Vogelmensch spaziert direkt aus Hieronymos Boschs „Garten der Lüste“ auf die Bühne und bricht die schwarz-weiße Ästhetik und mit Pieter Bruegels „Triumpf des Todes“ stürzen die Weißgekleideten zu Boden. Die Sänger tragen Kopfbedeckungen, wie wir sie auf Cranachs „Jungbrunnen“ Gemälde wiederfinden oder wie Lucas Cranach Luther und seine Familie portraitierte. Die Steinigungsszene basiert auf einer Radierung von Girolamo da Treviso.

Luther war, im Gegensatz zu Zwingli oder Calvin, nicht gegen die Malerei. Bilder konnten dem einfachen Menschen die Bibel-Lektüre erleichtern. Das hat aber auch mit seiner Freundschaft zum Maler der Reformation, Lucas Cranach, zu tun. Cranach war sein Trauzeuge und Taufpate eines seiner Kinder und die Portraits von Luther, die fast alle in Cranachs Werkstatt entstanden sind, haben unser Lutherbild geprägt. Wilsons Luther trägt so auch den Cranach-Look! Mutig geht er bis ins 20. Jahrhundert und gibt Luthers Witwe Man Rays surrealistische Idealisierung des Banalen, das Nagelbügeleisen „Gift“ in die Hand wenn Fiona Shaw über „The Widow‘s Lament in Springtime“ von William Carlos Williams spricht.

Himmelsleiter, Totenbett und verbotene Äpfel

Die anfängliche Überraschung ist dann aber irgendwann keine mehr und das Geschehen nicht immer nachvollziehbar, aber das wäre ja auch zu einfach! Eine sehr bilder- und szenenreiche Aufführung mit viel Bewegung auf der Bühne. So schafft es Wilson, mit relativ wenig Darstellern großes, streitendes Chaos zu versinnbildlichen. Eine Geschichte, die vor allem durch Licht und Kostüme unter einem minimalistischen Deckmantel, gespickt mit Zitaten und der Kunstgeschichte im 16. Jahrhundert, lebt. Oft makaber, kommt die Regie aber dann doch an die Grenze der ertragbaren Symbolik und man wünschte sich mehr protestantische Demut!

Ausgezeichnet der Rundfunk Chor Berlin unter brillanter Leitung und Leistung der beiden jungen Dirigenten Gijs Leenaars und Benjamin Goodson, die Stereo operieren und auch immer in Bewegung sind; denn alles findet im Kreis statt und die Sänger blicken, singen und schauspielern in alle Richtungen!

Musikalisch begleitet von Aleke Alpermann (Violoncello); Mirjam Wittulski (Kontrabass) und Arno Schneider an der Orgel. Jürgen Holtz ist Luther, Serafin Mishiev spielt das Kind und den roten Vogelmenschen.

Ende September und Anfang Oktober gab es Voraufführungen; die Premiere ist am 6. Oktober 2017.

 

Christa Blenk

Gerardo Aparicio
Gerardo Aparicio – Himmelstreppe und Heuwagen
 
und hier geht es zum Luther Oratorium – “Wir sind Bettler”
 

 

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Theater-Collage in der Schauspielschule

Auf dem Sofa

SanLorenzo-Figuratif 017
Street Art San Lorenzo

 

Am 9. April fand das Frühlingsfest der Schüler Schauspieltraining-Berlin in deren Räumen in Charlottenburg statt.

Die Studenten aller Altersklassen spielten, tanzten und sangen und die Schülerinnen der orientalischen Tanzklassen präsentierten ihre Bauchtanzeinstudierungen. Die Leiterin Christine Kostropetsch stellte ein umfangreiches und abwechslungsreiches Programm zusammen, das Christian Miebach großartig musikalisch begleitete.

U.a. spielten die Studenten Ausschnitte aus bekannten Theaterstücken wie „Fräulein Julie“ von August Strindberg, “Das Kalkwerk” von Thomas Bernhard (sehr gut Paul, der später noch bei “Interview mit fiesen Männern ” von David Foster Wallace auffallen sollte) „Die Heirat“ von Gogol (großartig Wanda, die schon bei einem anderen Stück von Sathyan Ramesh auf sich aufmerksam machte) oder Sketsche von Loriot („Maskenbildner“ mit Colin, Christian und Kerstin war eines der highlights); Nina sang – ziemlich gut – „Roxanne“ von The Police. Am schwierigsten wohl ein kurzer Auszug aus „Herrinnen“ von Theresia Walser bei dem Carlotta, Kamilla, Mara, Sandy und Simone erfolgreich versuchten, den Spannungs-Pegel nicht absinken zu lassen.

Das Bühnenbild bestand aus einem Sofa – das vor allem beim Maskenbildner zum Einsatz kam und ansonsten die Wartezone war – sowie einer  Flasche Wein, ein paar verstellbaren Tischen und natürlich schrägen Kostümen!

Wir verlassen diese kurzweilige Veranstaltung mit einem Lächeln auf dem Gesicht! Was will man mehr?  Und wer weiß – vielleicht sehen wir die Eine oder den Anderen demnächst in einem großen Theater!

 

P1030515

Christa Blenk

 

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