Archive for the 'Tanz' Category

Blog Highlights 2020

2020 hat sich – auch kulturell – anders präsentiert als die anderen Jahre. Ab März wurden Museen und Ausstellungen geschlossen, Konzerte und Opernaufführungen wurden entweder abgesagt oder mussten virtuell stattfinden. Einiges gibt es aber trotzdem zu berichten. Unser letzter Opernbesuch hat Ende Februar in Antwerpen stattgefunden. Abgesehen von ein paar Kulturspaziergängen oder Besuchen von Freilichtmuseen, basieren deswegen meine blog Highlights 2020 auf virtuellen Ereignissen!  

Hinter jedem Begriff in ROT verbirgt sich der link zum Artikel

 

Januar: Das erste Jahr in Brüssel ging für uns in der Brüsseler Oper zu Ende bzw. das Neue hat dort begonnen und zwar mit einer gewöhnungsbedürftigen Aufführung von Hoffmanns Erzählungen in der Monnaie. Mitte Januar sind wir mit dem Auto nach Paris gefahren, um bei der neuen Produktion von Opera Côté Choeur mit dabei zu sein. Dido und Aeneas gehört zu unseren Lieblingsopern und von Brüssel nach Paris ist es nicht weit und dafür lohnt sich so eine Reise allemal. Kroatien hat ihre sechs-monatige Ratspräsidentschaft mit einem gelungenen Konzert im Bozar mit Max Emanuel Cencic eingeleitet.  Deutschland hat Kroatien bei dieser Aufgabe am 1. Juli 2020 abgelöst, wusste aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass das eine mehr oder weniger virtuelle Präsidentschaft werden sollte. Die Premiere der Pariser  Produktion Orpheus und Euridice, die wir hier in Brüssel im UGC Kino im Rahmen des Programms « Viva l’Opera » gesehen haben,  fand schon 2018 in Paris  mit einer Starbesetzung statt. Der großartige französische Contertenor Philippe Jaroussky (sehr überzeugend auch schauspielerisch, allerdings fehlte es ihm manchmal an Tiefe) und Patricia Petibon (großartig, selbstbewusst und dramatisch) als Orpheus und Euridice. Den Amor sang Emőke Baráth. Das französische Lille ist von Brüssel nur knapp zwei Autostunden entfernt und hat eine gute Oper mit einem interessanten Programm. Ende Januar sind wir in diese schöne nordfranzösische Stadt gefahren, um die  Oper  Les Pecheurs de Perles”  zu sehen. Die Aufführung hat uns sehr gut gefallen und wir haben beschlossen, dies öfters zu tun. Passend dazu haben wir die Ausstellung  ”Degas in der Oper” besucht.

 

P1090772 Februar: Endlich war sie da: die lang erwartete und große Van Eyck Ausstellung in Gent. Da wir gleich am zweiten Tag hingefahren sind, konnten wir sie noch sehen – mit vielen weiteren Besuchern zwar, aber immerhin. Ein zweiter Besuch mit einer Freundin aus Berlin fiel dann schon Corona zum Opfer (Ausstellung sowie Besuch). Achterland war  Teil eines Ballettfestivals, das schon 2019 begann. Aufgeführt wurde es im Kaii-Theater Brüssel. Auch hier ahnten wir nicht, dass das vorerst die letzte Ballettaufführung 2020 sein würde! Mitte Februar sind wir (gottseidank) trotz  großem Sturm mit dem Zug nach Antwerpen gefahren, um die Oper Der Schmied von Gent zu sehen. Das war dann auch der letzte physische Opernbesuch in diesem Jahr.  Aus der Oper Lüttich haben wir – auch im UGC Kino - Nozze di Figaro gesehen. Divina Mysteria: Im Rahmen des Bach Heritage Festival 2020 kam am 7. Februar die katalanische Theatergruppe La Fura dels Baus nach Brüssel. Im Kammermusiksaal des Palais des Beaux-Arts führten sie die Bauernkantate (BVW 212) auf. Und wie bei dieser Gruppe nicht anders zu erwarten, hat sie sich natürlich nicht nur auf Bach beschränkt. Eher durch Zufall haben wir Mitte Februar im Ungarischen Kulturinstitut ein unglaublich schönes und  beeindruckendes Klarinettenkonzert zu hören bekommen. Der Klarinettist Bence Szepesi verzauberte mit seinen Masterclass-Schülern das Publikum  beim diesjährigen Abschlußkonzert. Dass man Kunst auch genießen kann wenn es nicht die Originale sind, zeigte eine Ausstellung Mitte Februar Raffaello – und exposizione impossibile.

 

 Jugendstil-Gemüse März: Dieses Gemüse rechts hat es in den Brüsseler Jugendstil geschafft und ist immer wieder in Zeichnungen oder Verzierungen zu finden. Bevor der totale lockdown uns ins Haus verbannt hat, haben wir noch schnell einen Jugendstilspaziergang durch die Europäische Hauptstadt unternommen. Ich habe auch eine Serie begonnen “work in progress” der Brüsseler Stadtteile.
Weil ja Ausstellungsbesuche nicht mehr möglich waren, habe ich für Kultura Extra eine Reihe mit “Werkbetrachtungen angefangen. Sie hat mit der Apocalypse von Anger begonnen. Social Distancing wird das neue Schlagwort und Lebenskonzept und das erklärt am besten ein Bild von  Edward Hopper. Wie eine Quarantäne in der Renaissance ausgesehen hat, können  Sie hier lesen.

 

 April: Der sehr interessante, spanische Künstler, Gerardo Aparicio, hat sich mit seinen letzten und neuesten Zeichnungen auch Corona und seinen Auswirkungen gewidmet: Hier zwei Beispiele. Der Isenheimer Alter ist ein Wandelaltar, der in Colmar im Museum Unterlinden zu sehen ist. Hier kann man darüber lesen:  Isenheimer Altars.
Christus am Kreuz  des spanischen Malers Goya ist ein Osterbild. Goya ist sowieso einer meiner Lieblingsmaler. Hier geht es zu den  Capriccios im Madrider Prado, der übrigens eine ganz ausgezeichnete online-Präsenz hat. Meine 10 Lieblingsbilder im Prado verbergen sich hinter diesem link.
Einen kulturellen (virtuellen) Spaziergang durch den Zauberwald Bomarzo gibt es hier zu lesen. Das Madrider Museo Sorolla ist weniger bekannt aber durchaus – auch virtuell – sehenswert. Das Frankfurter Städel hat schon vor Corona sehr viel dafür getan, die unterschiedlichen Kunstepochen virtuell zu präsentieren.  Apollo und Daphne ist eine der schönsten Bernini-Skulpturengruppe, die in der Galeria Borghese in Rom zu sehen ist.

Im livestream aus der New Yorker MET hat uns  The mother of us all sehr beeindruckt. Zur Musik von Virgil Thompson hat Gertrude Stein das Libretto geschrieben.

 

stühle parlament  Zum 1. Mai habe ich mich mit einem Bild des eher unbekannten italienischen Malers Volpeda auseinander gesetzt. Der Vierte Stand beschreibt das Leben in Italien um die Jahrhundertwende.  Im Mai konnten wir ja immer noch nichts unternehmen und deshalb  habe ich eine Sparte auf dem blog eingerichtet mit Kochen in Corona-Zeiten. Die Werkbetrachtung zu dem Bild von  George Grosz im Mai war Stützen der Gesellschaft. Für Brettspiele haben wir ja auch wieder viel Zeit. Die Drei Schwestern beim Schachspiel ist ein bezauberndes Bild der italienischen Malerin Sofonisba Anguisola. Und im Zehlendorfer Wohnzimmer wurden virtuell die Konzerte wieder aufgenommen. Wer Lust auf mehr Konzerte aus dem Wohnzimmer aus der Zeit 2017-2019 hat, kann sie hier alle nachlesen. 

 

Dolmen Im Juni wurden die strikten Auflagen auch in Belgien etwas gelockert und die Grenzen zu Frankreich wieder geöffnet. Wir konnten ein paar Tage an den Atlantik fahren und haben die Steinreihen von Carnac besucht. Das zweite virtuelle Zehlendorfer Hauskonzert  fand im Juni statt. Madame Cezanne im roten Kleid war eine Juni Werkbetrachtung. Die interessanten Fresken von Tiepolo in Nürnberg sind hier zu lesen:  Besuch zum Nürnberger Treppenfresko.

 

Besenheide JuliKalmhoutse Heide - diesen Naturpark haben wir im Juli besucht und uns vorgenommen, im Herbst nochmals hinzufahren.      Blue and Green Music von Georgia O’Keffee ist ein Bild, das Töne und Farben verbindet. Eine weitere Bildbeschreibung war der Abschied von August Macke.

 

uch im August konnten wir ohne Probleme die Grenze überschreiten und haben nochmals ein paar Tage in der Vendée verbracht. Beim Zurückkommen mussten wir dann das Passenger Locator Formular ausfüllen und ein neuer lockdown lag schon in der Luft. Leider ist das Festival in Thiré für uns aber ins Wasser gefallen. An Werkbetrachtungen gibt es einen Feuerbach, Turner und die Toteninsel von Böcklin.

Angelika Kauffmann war eine Künstlerin, die  damals komplett aus der Reihe tanzte.

 

 

September: Wieder zurück in Brüssel sind auch die Vorschriften  strenger geworden und der Herbst kündigt sich an.  Eine Beschreibung von  Menzels Flötenkonzert findet man hier   Wir haben die Fondation La Hulpe besucht mit dem großartigen Park und an der Nordseeküste das Museum Delveaux. Beeindruckend ist auch das Freilichtmuseum Sart Tilman in Lüttich, vor allem mit zeitgenössischen Installationen – meist mitten im Wald.

 

Im Oktober endlich wieder ein wenig Theater. Die französische Theatergruppe hatte schon im Frühjahr viel Erfolg mit einen Stück, das für Außen konzipiert wurde.    C-O-N-T-A-C-T  fand  auch in Brüssel viel Aufmerksamkeit. Marie Laurencin ist eine heute eher unbekannte Malerin. In den Bild Apollinaire und seine Freunde hat sie gut ihre Zeit festgehalten. Das Goethe Institut hat am 3. Oktober  Die verschwindende Wand auf die Brüsseler Grand Place geholt.

Freilichtmuseum Brüssel ist ein Artikel über die Skulpturen – hauptsächlich aus dem 19. Jahrhundert – auf die man in Brüssel überall trifft. Ausführlicher bin ich in einem Buch darauf eingegangen.

 

Pünktlich zu den Wahlen im November in den USA habe ich mich mit dem Bild von Grant Wood  American Gothic auseinander gesetzt. Mehr braucht man gar nicht, um die Situation zu verstehen! Aber mehr Erfolg auf dem blog hatte die Ophelia von Millais. Ansonsten war der Herbst oft sonnig und hat zu Spaziergängen eingeladen. Hier ein paar Fotos zum Erholen – Brüsseler Herbstromantik in Sepia.

 

Im Dezember haben wir den schönen Park Solvay am Brüsseler Stadtrand besucht. Dort steht ein  riesiger Olmeken-Kopf. Brüssel hat als Stadt nicht wirklich einen guten Ruf und das Wetter ist meist grau. Aber diese Stadt ist von gigantischen Wäldern und üppiger Vegatation umgeben, sie hat im wahrsten Sinne des Wortes einen grünen Gürtel. Ansonsten gibt es hier die Werkbetrachtung von Caspar David Friedrichs Gemälde “Das Eismeer”. Passend zur winterlichten Weihnachtszeit kommt hier Bruegels Volkszählung in Bethlehem. Bruegel hat sich das Marollen-Viertel als Vorbild genommen und man sieht sogar ein wenig der alten Stadtmauer.  Schnee allerdings muss man heutzutage lange suchen in Flandern (oder Brüssel). Und stellvertretend für ein Feuerwerk: Van Goghs Sternennacht in Arles.

Wer wissen will, was alles nicht geht dieses Jahr:  hier ein paar Sitten und Gebräuche aus anderen Ländern

 

Es bleibt zu hoffen, dass 2021 wieder ein wenig Normalität mit sich bringt.

Frohe Feiertage und Alles Gute!

Tunnelmalerei in Les Marolles

Christa Blenk  

 

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Achterland

kaii theater

 

Fünf Frauen, drei Männer und zwei Musiker befinden sich auf der Bühne. Es herrscht eine grenzwertige Gleichgewichtsstimmung. Die Männer tanzen zur Geige, die Frauen zum Klavier. Im Verlauf der 90 Minuten nähern sie sich immer mehr einander an, berühren sich aber praktisch nie. Sie versuchen, in den Raum des anderen einzudringen, tun es aber doch nicht. Ein verhaltenes Hin- und Her voller geladener Energie und samtiger Leichtigkeit. Ein Spiel zwischen Zeit, Nähe, Distanz, Geometrie, Sensualität und Imitation – immer im Einklang mit der sehr präsenten Musik des Ungarn GYÖRGY LIGETI (1923-2006) und des belgischen Komponisten EUGÈNE YSAŸE (1858-1931), die die Tänzer immer wieder an ihre Grenzen bringt. Die Tänzerinnen müssen teilweise im Business-Dress mit high heels tanzen und die Männer sollen es nachmachen, was manchmal auch zu komischen Szenen führt.  Ligetis 8 Pianoetuden entstanden in den 1980er Jahren; die drei Geigensonaten op 27 von Ysaye  im Jahre 1923 .

Diese  Produktion hat Anne Teresa De Keersmaker mit ihrer Kompanie Rosas schon 1990 für die Brüsseler Oper La Monnaie auf die Beine gestellt und zum ersten Mal Männer mit aufgenommen. Das Werk gehört immer noch zu ihren Markenzeichen und hat die letzten 30 Jahre sehr gut überstanden. Anne Teresa De Keersmaeker baut hier auf dem Stück “Stella” auf, das ein wenig früher für 5 Tänzerinnen und Geige entstand.

De Keersmaeker hat einmal gesagt, sie sei eine Frau mit weiblichen Muskeln und könne nur für Frauen Choreografie entwickeln. Deshalb mussten die Männer sich auch in ihre Rolle hineintanzen, sie sich hart erarbeiten und dabei die Frauen kopieren. So entstanden teilweise Parallel-Performances. Das Hinterland ist der Tanzboden.

Großartige Aufführung im Kaai-Theater im Rahmen des Troika-Festivals.

Am Piano WILHEM LATCHOUMIA;  JUAN MARÍA BRACERAS  spielt die Geige.

Christa Blenk

01.02.2020

 

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Blog highlights 2019

Das Jahr 2019 hat – außer vielen Kunst- und Kulturhighlights – auch einen Umzug von Berlin nach Brüssel mit sich gebracht. Die Musikszene von Berlin wird sich in der europäischen Hauptstadt zwar nicht wiederholen, aber was Kunst anbelangt, kann die belgische Hauptstadt oder die Stadt der Surrealisten mehr als mithalten.

Hinter dem jeweiligen Titel liegt der link zum Artikel.

 

P1060800 Aber zurück zum kalten Januar in Berlin. Gleich zu Beginn des Jahres brachte die Deutsche Oper Berlin die wunderbare Inszenierung von 2009 von Katharina Thalbach von Rossinis “Der Barbier von Sevilla”. Witzig, spritzig, südländisch und sehr amüsant, hat diese Produktion in 10 Jahren nichts an Frische verloren.

WinterIm Februar spielte die DOB eine weitere bewährte Alt-Produktion, nämlich den Tannhäuser von Kirsten Harms. Bei der 46. Aufführung seit der Premiere 2008 mutierte Allison Oakes von einer Botticelli-Venus zur keusch-heilige Elisabeth mit Bravour und unglaublicher Leichtigkeit und Überzeugungskraft. Die Staatsoper Berlin trumpfte mit einem zeitgenössischen Opern-Highlight auf. Bei Violetter Schnee spielte – wie kann es anders sein – Schnee die Hauptrolle. Mit Lederhosen, Reifröcken, Rettungswesten, Federboas und eine Weltkugel gingen die Protagonisten in der Komischen Oper Berlin zu Bernsteins Candide auf die Suche nach der “Besten aller möglichen Welten“ . Die junge Künstlerin Nadine Ajsin malt die Welt mit bunten Lebensmittelfarben und stellte ihre Arbeiten in einer Berliner Galerie aus.

Wald Niederbayern Sich im Wald verlaufen zu haben scheinen die Sänger in Claus Guths Don Giovanni. In dieser Produktion für die Salzburger Festspiele 2008 sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr …. Vom Wald an die Küste ging es mit dem Franz Trio zu Gast bei den Zehlendorfer Hauskonzerten. Jean Cras beschreibt mit seiner Musik Seemannsgarn und Landabenteuer. Diese Wohnzimmerkonzerte brachten im Verlauf des ersten Halbjahres noch viele weitere Schmankerl zustande wie im März einen Klavierabend mit Ekaterine Khvedelidze  oder im Mai der Auftritt des  Noga Quartetts. Einen großartigen Konzertabend bescherte der Kanadier Yannik Nézet-Séguin dem Publikum in der Philharmonie mit einem russisch-französischen Programm. Die DOB brachte Eugen Onegin auf die Bühne, eine Produktion von Götz Friedrich, die schon 23 Jahre alt ist.

Eisschmelze Im Rahmen des Stravinsky Festivals fand in der Staatsoper eine interessante Aufführung von  “L’Histoire du soldat” statt. Musikalisch überhaupt sehr intensiv dieser März. Jörg Widmanns Babylon spielte in der Staatsoper und Zemlinskys  Zwerg in der DOB. Einen großartigen Auftritt legte Ian Bostridge im Pierre Boulez-Saal hin und kurz darauf wirbelte Simone Kermes durch den Barock und die Philharmonie.

Im Pariser Petit Palais wurde ausführlich der belgische Surrealist Fernand Khnopff vorgestellt, während die Berliner Gemäldegalerie die beiden Renaissance-Maler Mantegna und Bellini miteinander verglich. Die Ausstellung war vor Berlin in London zu sehen.

P1080072 Im April ging es nach Stuttgart zu Henzes Prinz von Homburg und kurz vorher nach Madrid in den Prado. Dort wurden Giacometti-Skulpturen mit Velazquez-Bildern zusammengebracht – mit Erfolg. Richtig große Ausstellungen wie sie Paris oder London aufstellt, werden in Berlin eher vermisst! Hier greift man immer gerne wieder auf schon Bekanntes zurück. Im Hamburger Bahnhof wurde E  kritisch unter die Lupe genommen und im Brücke-Museum die Brücke-Künstler.

char à voile A Sea Symphonie und Oceane von Detlev Glanert standen im Mai auf den Spielplänen der Berliner Bühnen. Dazwischen turnte – in einer großartigen Death Comedy Show im BKA Theater in Berlin – ein zeitloser Sensenmann mit seiner Praktikantin über die Bühne, während die Komische Oper in Berlin  M – eine Stadt sucht einen Mörder aufführte.

Ende Mai haben wir in Wilmersdorf eine ausgezeichnete Aufführung von Purcells Dido und Aeneas gehört.

P1070702 Im Juni war die  Interpretation von Sascha Waltz’ Sacre zu sehen. Diese Produktion feierte 2013 in Paris den 100. Geburtstag von Strawinskys „Sacre du printemps“.  Allerdings bleibt Waltz doch sehr weit hinter Pina Bauschs Choreografie zurück. (Hier eine Besprechung aus dem Teatro San Carlo vor ein paar Jahren).

waldherz Die Wiederaufnahme einer wunderbaren Produktion des „Rosenkavaliers“ hat im Juli die Saison der Komischen Oper abgeschlossen. Andreas Homoki hat dieses Meisterwerk der Operngeschichte 2006 entwickelt. 2013 wurde es erneut auf den Spielplan genommen und dieses Frühjahr nochmals viermal aufgeführt.  Bei der 42. Aufführung seit der Premiere am 8. Juni war das Haus fast voll.

Im Bröhan Museum gab es die Ausstellung Skandal! Mythos! Moderne!.

P1330652 Im August fand der Umzug statt, dann ging es in den Urlaub an den Atlantik (in die Vendee)Dort gibt es außer köstlichem Salz auch das Festival in Thiré im Garten von William Christie. Abends wurde in der Kirche von Thiré  die arkadische Schäferkantate « Aminta e Fillide » aufgeführt. Hier geht es um eine Nymphe, die auf einen jungen Bauern trifft, der sich in sie verliebt. Die abwechslungsreiche Kantate beschreibt die Schwierigkeiten der Beiden, zueinander zu finden.

… und dann kam Brüssel!

Wei Wei Der erste kulturelle Ausflug in Belgien führte uns nach Antwerpen in das sagenhafte Middelheim Museum  Antwerpen. Stundenlang kann man hier durch einen Traumgarten spazieren und nebenbei Skulpturen aus über 100 Jahren besuchen. Dieser Ort ist wirklich eine Reise wert!

P1350579 Der Oktober begann dann auch gleich mit zwei Welturaufführungen von zweitgenössichen Opern in der Brüsseler Monnaie. Zwei junge französische Komponisten komponierten  La silence des ombres und Macbeth Underworld. Bis jetzt kann sich das Brüsseler Opernleben auf jeden Fall sehen lassen. Aber auch Brügge zeigte sich gleich im Oktober von einer sehr interessanten Seite. Dort triumphierte Peter Eötvös mit der Oper Herzog Blaubart. Auf ungarisch gesungen mit flämischen Untertiteln! Was die Kunst anbelangt, konnten im Bozar-Museum Werke von Brancusi besichtigt werden und das Magritte Museum zeigt  immer noch eine großartige Ausstellung, bei der Dali und Magritte miteinander verglichen werden.

NDDM Im November haben wir in Paris eine sehr umfangreiche Ausstellung von Francis Bacon im Centre Pompidou gesehen und in Brüssel im Train World Museum eine wirklich sehenswerte Ausstellung des Surrealisten Paul Delvaux.  Die Monnaie setzte ihr interessantes Programm mit der Aufführung von Jeanne d’Arc au bûcher fort. Das Abonnement im Balsamine Theater hat sich auch schon gelohnt, zum Beispiel mit der Aufführung von George Kaplan (und hier geht es nicht um Hitchkock). Im November kam das Hamburger Ensemble Axensprung nach Brüssel mit ihrer neuen Produktion GIER – Weimar, die erhitzte Republik.

P1090426 - Kopie Der Dezember bringt Orangen und Mandarinen und eine Konzertreihe zu Ehren des polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg.   Der Gewinner des Förderpreises NRW, das Ensemble Repercussion, kam Mitte Dezember zum ersten Mal nach Brüssel und begeisterte mit ihrer sehr gekonnten Percussions-Performance das Publikum. Kurz vor Weihnachten haben wir die große Keith Haring Ausstellung im Bozar gesehen. Sie geht noch bis Mitte April 2020.

Außerdem habe ich – als work in progress – eine Seite mit “Stolpersteine in Belgien”  angelegt. Die Brüsseler Gemeinden werden ebenfalls ins neue Jahr mitwandern, bis alle behandelt sind.

Sehr gut gefallen hat mir der neue  Opernfestspiele- und Festivalführer Merian . Eine weibliche Robinson Crusoe ist die Ich-Erzählerin in dem Buch  Die Wand” von Marlen Haushofer.

Mit einer Bilder-Reise in den Languedoc! wünsche ich Allen Leserinnen und Lesern 

Alles Gute für 2020 !

 P1030628

Christa Blenk

 

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Und wer möchte, kann hier die blog Highlights aus früheren Jahren nachlesen oder darin stöbern.

Highlights 2018

Highlights 2017

Highlights 2016

Highlights 2015

Highlights 2014

Highlights 2013

Sacre – Sascha Waltz

2013 feierte Paris den 100. Geburtstag von Strawinskys „Sacre du printemps“.  Ein Auftragswerk aus Paris ursprünglich mit dem St. Petersburger Mariinsky Ballett für Sasha Waltz. Später hat sie es mit ihrem eigenen Ensemble Sasha Waltz & Guests einstudiert.

Geladen, erschreckend, kriegerisch, primitiv kommt diese Fassung daher. Waltz lehnt sich bei ihrer neuen Sacre-Version an die unschlagbare Pina Bausch an, kleidet die Tänzer und Tänzerinnen in erdfarbene Kleider. Dunkler, aschiger Staub fliegt durch die Gegend. Bei Pina Bausch mussten sich die Tänzer durch Erdhaufen auf der Bühne kämpfen, was den Eindruck des Primordialen verstärkte.  Auch bei den Gewändern hat Waltz sich an Bauschs Garderobe gehalten. Es gibt eben Ideen und Projekte, die nicht zu übertreffen sind und es ist intelligent, dies gar nicht zu versuchen. Das Aufeinanderkleben und die abwechselnde Paarbildung der Körper, das Stampfen der Turner gab es auch schon bei der bahnbrechenden Béjart-Aufführung von 1959. Erotik und Trieb spielen  bei Waltz eine größere Rolle als in vergleichbaren Vorversionen. Gruppenorgien und reglose Körper machen diese Sacre-Version viel brutaler. Immer wieder Unterbrechungen in Bewegungen und Handlungen, die Strawinskys genialen Rhythmus verstärken und hervorheben. Großartige Leistung der Tänzer – und die Staatskapelle unter Leitung von Alexander Soddy war wieder mal genial!

Bei der Premiere 1913 im Pariser Théâtre des Champs Elysées geriet das Publikum in aggressive Aufregung, aber nicht, weil es so begeistert war, sondern weil es das Stück komplett ablehnte. Das Balllet Russes mit dem Starzeigechoreografen Vaclav Nijinsky viel mit Pauken und Trompeten durch. Harry Graf Kessler, der mit dabei war, beschrieb die Entrüstung als heidnischen, stampfenden Höllenlärm, der alles bisher gekannte bedeckte, das Akademische komplett vermissen ließ. Sacre wurde somit zu einem der größten Skandale in der Tanzgeschichte. Aber geschadet hat es diesem Schlüsselwerk des modernen Tanztheaters nicht – denn das ist gar nicht möglich.

Vor der Pause gab es einen braven pas de deux „Scène d’amour“ nach einer Musik von Berlioz Musik aus Romeo et Juliette und eine eher laue Fassung des  L’après-mini d’un Faune zu Musik von Claude Debussy. Die Tänzer bewegten sich alle wie Tiere, langsam, schleichend, bukolisch.

cmb

und hier zu einer Aufführung von Pina Bausch in Neapel

Sacre du printemps

 

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Highlights 2018

Liebe Leserinnen und Leser,

Wie schon in den vergangenen Jahren kommt hier ein Rückblick auf die kulturellen Highlights 2018 in Berlin und anderswo.

Begleitet und illustriert werden die Berichte dieses Mal von Fotos der französischen Atlantikküste.

 

vendee2 (1)
 Le Gois 

 

Mehr als 300.000 Menschen von Berlin bis Neuseeland haben Barrie Koskys amüsant-absurde und gewöhnungsbedürftige Produktion für die Komische Oper von Mozarts Zauberflöte in der Inszenierung der britischen Theatergruppe 1927 gesehen und diese Mischung  aus Zeichentrick- und Action-Stummfilm meist gemocht, obwohl sie Mozarts große Oper auch ein wenig verrät!   2017 war von dieser Gruppe Petruschka hier in Berlin auf der Bühne zu erleben.

Entdeckt hatten wir die Zehlerdorfer Hauskonzerte schon 2017. Aber auch im vergangenen Jahr brachte die Hausherrin von der Glasharfe bis zu Schubert ganz unterschiedliche Künstler zu sich in das musikalische Wohnzimmer und überraschte das Publikum mit ihrem Programm immer wieder.

 

Vendée2013-März 433

 

Bildhauerinnen der Moderne war der Titel  einer Ausstellung im Kolbe Museum, welches immer wieder die spannendsten Kombinationen in den schönen Ausstellungsräumen am Berliner Stadtrand zusammenstellt. Die  Ausstellung Zarte Männer in der Skulptur der Moderne läuft noch bis Februar 2019. Die Ausstellungsszene in Berlin ist ja sonst eher mager und das Angebot an Ausstellungen ist sehr verbesserungsfähig. Das Bröhan Museum brachte im ersten Halbjahr eine Sammelausstellung “Berliner Realismus” und nach dem Sommer eine Schau über  Georg Grosz  - beides durchaus erwähnenswert. Der Hamburger Bahnhof versuchte mit einer kleinen Ausstellung über Otto Müller  das Fehlen (Umbau immer noch nicht fertig) der Neuen Nationalgalerie aufzufangen. Diese Ausstellung läuft noch bis März 2019. Erwähnenswert auf jeden Fall die Ausstellung Leben ist Glühn mit Bildern des deutschen Expressionisten Fritz Ascher (1893-1970), die in der Berliner Villa Oppenheim und im Museum Potsdam zu sehen waren.

Ansonsten ist hier das Portrait über die Künstlerin Schirin Fatemi für KULTURA EXTRA zu lesen und ein langer Bericht über eine großartige Ausstellung im Grand Palais in Paris über Kupka.

„Banned Art“ sollte die Ausstellung, die 1938 in London als Antwort auf die Ausstellung „Entartete Kunst“ in München organisiert wurde, ursprünglich heißen. Um ihr aber das Politische zu nehmen, nannte man sie schließlich nur  « Twentieth Century German Art« . Angeblich sollen über 300 Exponate für diese Schau nach London geschickt worden sein. Gezeigt werden konnten  – aus Platzgründen – schließlich nur 270 Werke. Eine so große und bedeutende Ausstellung deutscher moderner Kunst  hatte es bis dahin in England noch nicht gegeben. Die Villa Liebermann am Wannsee hat mit sehr viel weniger Werken aber guten Texten, die Ausstellung nochmals aufleben lassen.

 

Vendée2013-März 430

 

Mit Das Wunder der Heliane und Die tote Stadt  gab es von dem in Österreich geborenen Komponisten Erich Wolfgang Korngold  gleich zwei sehenswerte Produktionen in Berlin. Korngold ist aber heutzutage vor allem wegen seiner vielen Preise für Filmmusik in Hollywood bekannt.

Aus der Begegnung im Jahre 2009 von Robert Wilson und Arvo Pärt im päpstlichen Wartesaal in Rom ist Adams Passion entstanden. Nacho Duato war 2018 schon auf dem Sprung das Staatsballett vorzeitig zu verlassen. In der Komischen Oper wurde nochmals eine seiner besten Produktionen “Herrumbre” aufgeführt.

Abgelöst wurde er im Sommer 2018 von Johannes Öhmann. Sasha Waltz wird in diesem Jahr die Ko-Direktion übernehmen. Öhmann Einstieg hätte besser nicht sein können mit der Doppelproduktion Celis – Eyal. Rauschender Applaus und viel Vorfreude auf Zukünftiges – vor allem von Eyal!

 

Vendée2013-März 145

 

Die Premiere von Benjamin Britten « The turn of the screw  fand schon vor fünf Jahren in der Staatsoper statt und kann seitdem immer wieder das Haus füllen. Britten komponierte die Oper 1954  nach einer Erzählung von Henry James. Hans Werner Henze fühlte sich ein wenig als kleiner Bruder von Britten. Ein großartiges Erlebnis im Herbst war die Aufführung von Hans Werner Henzes  Werk “El Cimarron” in Gelsenkirchen in einer Produktion von Michael Kerstan, das im Rahmen der Konzertreihe „Musik erzählt von Freiheit“  im Kulturraum Die Flora in Gelsenkirchen aufgeführt wurde. Diese Reise von Berlin ins Ruhrgebiet hat sich allemal gelohnt.

Im März verzauberte das Freiburger Barockorchester mit Pergolesis Intermezzo la serva padrona“ das Berliner Publikum. Passend dazu gab es in der Fenice in Venedig “I tre Gobbi” - Commedia dell’arte pur. Auch Rossini liebte es, sich bei der Commedia dell’arte zu bedienen und das hat Katharina Thalbach mit dem Barbier von Sevilla sehr ernst genommen.  Der Theaterregisseur Jan Bosse legte mit Rossinis « Il viaggio a Reims » in der Deutschen Oper eine Punktlandung, bei der fast alles stimmte, hin. Eine geniale Interpretation des Wartens!

 

Vendée2013-März 653
 Austernsteg in der Vendee

Aber um Warten ging es auch bei Salvatore Sciarrinos neuer Oper Ti vedo ti sento mi perdo” . Harrte man aber in Reims geduldig aus, um endlich von einem Ort wegzukommen, so lässt Sciarrino die Künstler während der Generalprobe einer Stradella-Oper im Palazzo Colonna  auf den Maestro selber warten.

Auf eine eine Heimweh-Reise schickte uns der argentinische Komponist und Bandeonist Daniel Pacitti mit einem gelungenen Konzert in der Philharmonie Viaggio in Argentina”. Im Vorjahr brachte er das Luther Oratorium “Wir sind Bettler” als Auftragsarbeit auf die Bühne.

Die Neuköllner Oper enttäuscht eigentlich nie. Mit  “Welcome to Hell”  hat sie den umstrittenen G 20 Gipfel von Hamburg aufgearbeitet und mit Wolfskinder  das Humperdinck Märchen Hänsel und Gretel neu erzählt. Das Original dieser Kinder-Erwachsenen Oper wurde im pünktlich zur Weihnachtszeit und alle Jahre wieder in der Staatsoper aufgeführt. Eine weitere beeindruckende Produktion war Kreneks Oper Der Diktator.

 

Vendée2013-März 112

 

Olafur Eliasson ließ erboste Götter und nachtragende Frauen über einen Star Wars Himmel donnern und zauberte so ein modernes Versailles für Rameaus Hippolythe et Aricie. Ein französisches Opern Pasticcio präsentierte mit “Les beaux jours de l’amour” (die schönen Tage der Liebe) der französische Dirigent Raphael Pichon mit einem Programm aus Opern von Rameau und Gluck .

Den 200. Geburtstag von Jacques Offenbach (1819 – 1880) feierte die Komische Oper mit einer neuen Produktion der Oper „Blaubart“ . Stefan Herheim führte Regie und versuchte, die Kult-Inszenierung von Felsensteins wieder aufleben zu lassen, die  zwischen 1963 und 1992 knapp 400 Mal zur Aufführung kam.

 

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 Salzland

Marie Bäumer spielt Romy Schneider bei einem Kurzaufenthalt in der Bretagne. Drei Tage in Quiberon heisst das Opus. Auch der Film Transit spielt in Frankreich, aber während des Krieges, und diese Zeit ist auch Protagonist bei dem sehr gelungenen Film Der Trafikant.  Ballon basiert auf einer wahren Begebenheit und kam Ende September 2018 in die deutschen Kinos. Sechs Jahre hat der Regisseur und Produzent Michael Herbig daran gearbeitet und mit einzelnen Familienmitgliedern oder Hauptprotagonisten gesprochen. Der Film beschreibt die Flucht 1979  in einem selbst gebauten Heißluftballon von  der DDR in den Westen: an Bord die Familien Strelzyk und Wetzel.

Die Beelitzer Heilstätten animieren dazu, erneut den Zauberberg zu lesen. Ein Besuch über die Glienicker Brücke zur Villa Schöningen hingegen bringt den Spion der aus der Kälte kam wieder auf den Nachttisch. Wer Thomas Mann und John le Carre aber nicht mehr lesen mag, kann sich mit der Hauptstadt  von Robert Menasse vergnügen, hier wird die Europa-Hauptstadt Brüssel aufs Korn genommen.

In der Villa Schönigen waren 2018 übrigens auch die Kostüme für den Bayreuther Lohengrin zu sehen, die das Künstlerpaar Rosa Loy & Neo Rauch entworfen hatte.

Leo Janácek hat sich mit seinem Spätwerk „Die Sache Makropulosmit dem Thema “Alt werden oder Jung bleiben müssen” befasst, beeindruckt und inspiriert von einem damals ganz neuen Theaterstück von Karel Capek

Michael Thalheimer hat Brechts „Kaukasischen Kreidekreis“ am Berliner Ensemble, mit großartigen Darstellern  inszeniert und minimalisiert. So ganz ohne Bühnenbild und viel Elektro-Guitarre.  Beeindruckend auch Karin Henkels  geschlechterlose Interpretation der Drei Schwestern.

Zum Dezember gehört auch das Weihnachtsoratorium  und besinnliche Kirchenkonzerte wie sie sie zum Beispiel die  Gemeinde der Sophienkirche organisiert.

 

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Dies ist nur eine Auswahl unter vielen anderen Artikeln und Beobachtungen! Und jetzt kann das neue Jahr mit vielen neuen Ausstellungen und Musikveranstaltungen beginnen.

Alles Gute!

cmb

Fotos (c) Christa Blenk

hier die links zu den blog-Highlights der vergangenen Jahre

Highlights 2017

Highlights 2016

Highlights 2015

Highlights 2014

 

 

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Welcome to Hell in der Neuköllner Oper

Was bleibt ist Hilflosigkeit

Am 7. und 8. Juli 2017 fand der zwölfte G20-Gipfel statt. In Hamburg trafen  hierzu Vertreter der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer aus Politik und Wirtschaft zusammen. Um Störungen entgegenzutreten und die Anreisenden zu beschützen kamen  31.000 Polizisten zum Einsatz. Groß-Demonstrationen, Protestveranstaltungen, Massenkundgebungen, Blockaden und massive Unruhen  begleiteten den Gipfel; Sachbeschädigungen, Plünderungen, Angriffe auf beiden Seiten standen auf der Tagesordnung und sorgten für unzählige Verletzte.

Die tagelangen Straßenkämpfe haben  Peter Michael von der Nahmer und Peter Lund im Anschluss zu 100 Minuten Oper verarbeitet; diese kam  15. März 2018 in der Neuköllner Oper mit großem Erfolg zur Uraufführung.

Wut, Ärger, Verzweiflung und Frustration und zwölf Menschen sind die Protagonisten dieses Opern-Musicals. Überfordert wirken sie Alle: Der Polizist, die unterbezahlte Supermarktkassiererin, der französische Delegierte, der spanische Callboy, die taffe aber unsicherer Reporterin, eine Studentin mit Migrationshintergrund, der auf die schiefe Bahn geratene Sohn reicher Eltern, eine idealistische Pazifistin, eine Einzelgängerin, ein religiöser Homosexueller kurz vor dem coming out, ein Zuhälter und eine Studentin aus Husum.

Großartig Alexander Auler, Katia Scheherazade Bischoff, Didier Borel, Nikko Andres Forteza Rumpf, Tae-Eun Hyun, Mira Keller, Pabl, o Martinez, Lucille-Mareen Mayr, Mathias Mihai Reiser, Loïc Damien Schlentz, Anastasia Troska, Andrea Wesenberg als Sänger, Tänzer und Schauspieler!

cmb

 

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Blog Highlights 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

Hier sind nochmals die kulturellen Highlights der letzten 12 Monate nachzulesen, Verbindungen werden hergestellt und Brücken gebaut – wie es nur Musik und Kunst fertig bringen. Dieses Jahr wird der Übergang von einem Kulturevent zum anderen über eine venezianische Brücke von statten gehen. Es geht deshalb auch nicht immer chronologisch zu auf dieser Reise durch 2017!

P1060051 Avanti Avanti. Mit einem spritzigen Silvesterkonzert in der Komischen Oper fing das kulturelle Jahr 2017 an. Max Hopp rollte Volare Volare singend (und tanzend) mit der Vespa (aber nicht mit dieser – diese habe ich auf der Biennale in Venedig entdeckt) auf die Bühne – jedenfalls hatte er das vor … aber lesen Sie selber.

Brücke ohne Geländer Tanzend ging es auch gleich weiter mit den Tanztagen in Berlin . Surrealistisch und perfekt. Duato Shechter gab es in der Komischen Oper. Großartig war auch eine Aufführung des Nederlands Dans Theaters Anfang Dezember.

venezia3  Die Kriminellen der Frau A   war ein ausgesprochen packendes Erlebnis zwischen Theater, Kunst und Musik. Die Oper Ovartaci crazy, queer & loveable ist ein work in progress und erzählt Abschnitte aus Ovartacis Leben. Wir freuen uns schon auf den nächsten Teil!

P1050886 Viel klassische und konventionelle Oper gab es natürlich auch. Hervorzuheben  Salomé in der Deutschen Oper, eine großartige Aufführung von Purcells King Arthur. Abwechselnd zwischen Staatsoper, Komischer Oper und Deutscher Oper gibt es Berichte über  Petruschka, Hoffmanns Erzählungen, Don Giovanni, Der fliegende Holländer, Jacob Lenz, Elektra , La damnation de Faust oder Lohengrin. Sehr zu empfehlen hier Philipp Glass’ Satyagraha  in der Komischen Oper und L’Invisible von Aribert Reimann in der DO. Nicht sehr überzeugend und ein wenig langweilig war Tod in Venedig.

P1050884 Das Georg Kolbe Museum hat gleich drei großartige Ausstellungen in den eher armen Berliner Ausstellungshimmel geschossen. Georg Kolbe im Netzwerk der Moderne , eine umfassende Recherche über Flechtheim und kurz vor Jahresende Emil Cimiotti. Dazu passte perfekt die Ausstellung über Rudolf Belling.

P1050881 Hannover  hat außer einer ziemlich guten Oper auch noch viel Kunst zu bieten. Auf der Skulpturenmeile trifft man auf viele Bildhauer des 20. Jahrhunderts aber natürlich hat sich die Reise schon gelohnt, um dort Hans Werner Henzes Englische Katze”  zu sehen. Später im Jahr wurde dann auch die Oper LOT  von Giorgio Battistelli dort aufgeführt. In der Ausstellung Manifesto spielt Cate Blanchet 13 verschiedene Rollen. Diese Ausstellung ging durch alle wichtigen europäischen Museen.

1 Das Pariser Centre Pompidou ist immer einen Abstecher wert. Die jeweiligen Restrospektiven über Cy Twombly und David Hockney haben das wieder bewiesen. Jean Noel Pettit hat Cy Twombly ins Französische  übersetzt.

P1050882  Und wieder über eine Brücke und es geht ins Theater. Davon hat Berlin auch genug. Jeanne d’Arc in einem weißen Würfel im Gorki Theater, Wut  am Deutschen Theater, der gefräßige und feige König Ubu, eine enttäuschende Phädra und Caligula  am Berliner Ensemble mit Kettensägen und Wahnsinn.  Sehr gut The Situation im Gorki Theater und weniger gelungen Michel Houellebecq  Unterwerfung. Highlight war sicher die FAUST  Aufführung in der Volksbühne und der damit verbundene Abschied vom Theater-Wüterich Castorf. Kurz vor Jahresende war er dann Gast im Berliner Ensemble mit einer sehr freien Interpretation von Hugos Les Misérables.

P1050924 das wunderbare Ensemble Concerto Romano kennen wir schon aus Rom. 2017 konnten wir sie gleich zweimal in und um Berlin erleben. Einmal mit der herausragenden Aufführung Ad Arma Fideles beim Äquinox Festival und ein zweites Mal beim Göttinger Musikfestival.

P1050875 Aber jetzt wieder ein wenig Kunst. In der Biennale von Venedig hat mich am meisten die side show von Michelangelo Pistoletto interessiert. Er installierte seine Arbeiten in der Palladio-Umgebung.

Gut die Schau über Friedrich Kiesler im Gropius Bau oder die Präsentation von Jeanne Mammen in der Berlinischen Galerie. Im Hamburger Bahnhof war Hanne Darboven zu sehen und eine Entdeckung war  Jan Toorop. Ansonsten hat sich die Kunst in Berlin eher zurückgehalten.

P1050873 Jetzt mit einem großen Sprung über diese Brücke zur zeitgenössischen Musik. Hier ist das Festival Hofklang Anfang September hervorzuheben. Unerhörte Musik gibt es meistens am Dienstag im BKA. Korpus  oder e-werk waren u.a. zu Gast.  Ulrike Brand war auch in einer Performance Walls and Waves  in einer Kirche zu erleben.

P1050870 Überraschend eine Aufführung in der Ahlbecker Kirche auf Usedom von Pergolesis Stabat Mater. Usedom war sonst eher enttäuschend, aber gelohnt hat sich auf jeden Fall ein Besuch im Museum von Otto Niemeyer-Holstein. In dem Artikel zwischen Ostsee und Achterwasser  ist es beschrieben.

P1050850 Und über diese Brücke kommen wir zur Orgel und zu der Orgel-Ikone Matthias Eisenberg. Später im Jahr – zu Luthers Geburtstag – reisten wir ihm nach Leipzig nach und daraus wurde ein musikalisches Leipzig-Wochenende. 

P1050826 Aber auch Robert Wilson beschäftigte sich mit Luther und seinem Jubiläum mit der etwas konfusen Aufführung “Luther dancing with the Gods im Pierre Boulez Saal. Kammermusik mit und ohne Worte und ein Auftritt des großartigen Klarinettisten Jörg Widmann sind ebenso beschrieben.

2 Auch der argentinische Komponist und Bandeonist mit italienischen Wurzeln Daniel Pacitti befasste sich mit Luther. Im Juli wurde in der Philharmonie sein Oratorium Wir sind Bettleruraufgeführt mit Roman Trekel in der Hauptrolle. Kennen gelernt allerdings haben wir Pacitti bei einer ganz anderen Gelegenheit, nämlich bei einem kreolischen Tangoabend in den Räumen der Freien Volksbühne.

P1050816 Bei einem wunderbaren Hauskonzert in Zehlendorf hat Pacitti seine dritte Seite präsentiert. Das zeitgenössische Stück mit Einflüssen aus seiner Heimat. La Cruz del Sur wurde von zwei virtuosen jungen Solisten (Klavier und Querflöte) vorgetragen. Ausgeklungen sind die Zehlendorfer Hauskonzerte mit Werken von  Franz Schubert.

P1050920 In der Kunst und Ausstellungshalle in Bonn gab es eine sehr gut zusammen gestellte Ausstellung von Ferdinand Hodler  und München befasste sich mit dem 19. Jahrhundert in der Ausstellung GUT WAHR SCHÖN . Diese beiden Artikel sind u.a. auch auf KULTURA EXTRA  erschienen.

P1050894 Der Sommer in der Vendee besteht nicht nur aus Palourdes sammeln oder Strandspaziergängen. In Thiré findet jedes Jahr das Festival “Dans le Jardin de William Christie” statt. Dieses Jahr Monteverdi  gewidmet. William Christie war auch im Dezember zu Gast in der Philharmonie mit einer fantastischen Aufführung von Monteverdis Selva spirituale e morale”. Aber auch die Staatsoper feierte den großen Monteverdi mit einer sehr schönen Aufführung von L’incoronazione di Poppea.

Auch die Neuköllner Oper widmete Monteverdi einen Abend – bei Combattimento x 2 geht es in den Wrestler Ring!

P1050850 In einen anderen Garten – nämlich in den von Guillermo Lledó - führte die diesjährige Madrid-Reise. “Plaza para un hombre solo” ist eine Skulptur und die Eröffnung dieser wurde ganz groß in seinem Garten in einem Madrider Vorort gefeiert mit Künstlern und Madrider Kunstwelt. Madrid ist eine Kunst-Stadt, ein wenig davon ist hier auch beschrieben: Mateo Mate, Rosa Barba, Franz Erhard Walter. Das Museo Reina Sofia hatte eine umfangreiche Ausstellung zu Picasso und Guernica organisiert. Piedad y terror en Picasso.

P1050892 der argentinische Künstler Nestor Boscoscuro lebt in Berlin und in Buenos Aires. Mit ihm wurde die Portrait-Serie für KULTURA EXTRA erweitert.

P1050877 Die Aufführungen der Neuköllner Oper lohnen sich ebenfalls immer und sind jedesmal überraschend und erfrischend. Unter anderem gab es dort Combattimento x 2, Fuck the Facts und eine sehr freie Interpretation der Bettleropera.

P1050948 Pellworm – wo ist das denn? Aber eine Reise dorthin lohnt schon deshalb, weil diese Ecke in der Nordsee eine Art Atlantis ist – umgeben von Mythen und Sagen.

P1050818 The future is female war der Titel einer Reihe von Aufführungen  in den Sophiensälen. HUMBUG  wurde durch OPERALAB aufgeführt, war sehr amüsant und führte in die Zirkuswelt. In Norway Today  waren die zukünftigen Sophies Rois oder Wuttkes dieser Welt zu sehen.

P1060047 Das Colombian Youth Orchestra erfand Strawinsky neu und das auch noch im Konzerthaus am Gendarmenmarkt  und Josep Pons dirigierte Ravel, Falla und ebenfalls Strawinsky.

P1050928Bei dem Buch Eine Sinfonie der Welt” geht es auch um Musik. Hier beschreibt Alexander Bertsch das Leben eines Komponisten in der Nazi-Zeit.  Ein schönes Buch!

Brücke ohne Geländer Hoch im Norden lebt der Dorfpoet  und macht sich über sich selber und die Welt lustig -  aber lesen Sie selber.

 

Einen Guten Rutsch mit Trauben, Linsen oder anderen Bräuchen  wünsche ich allen Leserinnen und Leser und ich freue mich auf Ihren Besuch im nächsten Jahr!

P1030084

 

Christa Blenk

 

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Satyagraha

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nach der Vorstellung

 

Geduldige Offenheit

Die dritte Oper von Philipp Glass, Satyagraha, wurde 1980 als Auftragswerk der Oper Rotterdam dort uraufgeführt. Das war vor der Zeit seiner bekannten und eher kommerzielleren Filmmusikkompositionen wie Koyaanisqatsi (1983) und Pawaqqatsi (1988). Ursprünglich  nicht als Tanzstück geschrieben, erzählt es Szenen aus den jungen Jahren von Gandhi, vor allem aus seiner Zeit als Rechtsanwalt und Friedenskämpfer in Südafrika. Satyagraha ist ein Paradebeispiel der Minimal Music. Der Text ist aus der Bhagavad Gita, einer fundamentalen Schrift des Hinduismus. Das Libretto hat der Komponist zusammen mit Constance DeJong geschrieben.

Gandhi selber hat den Begriff Satyagraha gefunden, um seine Strategie der Gewaltlosigkeit zu manifestieren. Satyagraha ist der Inbegriff der geistigen Stärke und der friedlichen Konfliktlösung. Ein „beharrliches Festhalten an der Wahrheit“. Beharrlich, das passt auch auf die Musik von Glass.

Das Werk entfaltet sich wie ein Leporello und klappt immer wieder eine andere Seite aus Gandhis Leben auf. Wobei es nicht chronologisch zugeht oder irgendeiner Ordnung folgt. Die Szenen hängen auch nicht zusammen, jede Geschichte kann alleine so stehen bleiben und ist unabhängig.

Der erste und zweite Akt besteht je aus drei Teilen, wobei der erste Akt Tolstoi und der zweite dem Dichter und Nobelpreisträger Tagore gewidmet ist. Beim dritten Akt hat Gandhi an Martin Luther King gedacht, dessen Konzept teilweise auf Gandhis Ideen beruhte. Hier geht es um die Aufstände der Minenarbeiter in Newcastle. Die Tänzer bewegen sich systematisch über die Bühne und verteilen spiralförmig-endlos Kreidestaub auf der Bühne. Großartig das Kapitel der Indian Opinion oder die Identitätspapier-Verbrennungsszene.

Auf der Bühne gibt es nur Stahlseile, die von oben nach unten führen, manchmal die Plattform in eine beunruhigende Schräglage bringt oder sie in Ober- und Unterwelt trennt aus der die sich windenden Hände und Beine unterdrückter Arbeiter oder Menschen ausbrechen wollen. Sehr starke, schöne und bewegende Bilder.

Sidi Larbi Charkaoui lässt die Tänzer und Tänzerinnen des Eastman Ensemble Geschichten durch Bewegung erzählen und Handlungen beschreiben. Aggressiv, harmonisch und  religiös – ein permanenter Wechsel zwischen Sieg und Niederlage und Gandhi  (Stefan Cifolelli, sehr lyrisch-religiös und überzeugend) ist immer mittendrin. Die Kostüme sind kolonial-indisch, so trägt Miss Schleser weite Hosen, Cottonshirt und einen Tropenhut, während die anderen in weißen Saris rumlaufen. Der Chor musste sich in Tai-Chi-ähnlichen Bewegungen üben, die große Ruhe und Harmonie verbreiteten.

Die Bühne wirkt manchmal fast zu klein für den Massenandrang. Dieses Gewusel geht nicht mit Minimal Music möchte man meinen. Das ist aber nicht der Fall: Musik, Sänger und Tänzer bewegten sich nahezu gleichberechtigt durch unterschiedliche Lebensphasen und Geschehnisse in Gandhis Wirken. Die Tänzer erklären was die Solisten singen. Mehr noch, fast kann man sich nicht vorstellen, diese Oper ohne Cherkaouis Regie zu erleben. Kontrolliert-ruhig, dynamisch und sehr rhythmisch sind die Bewegungsabläufe, auch wenn sich im Verlauf des Abends vieles wiederholt, aber das trifft auch auf die Texte und auf die Musik sowieso zu. Eine religiöse und kontrastreiche, mikroskopisch sich voran bewegende Hypnose liegt über allem.

Cherkaouis Choreografien setzen sich eigentlich immer aus Elementen verschiedenen Kulturen oder Religionen zusammen. Das haben wir schon bei dem Stück Sutra gesehen, wofür er vor ein paar Jahren einen Balletpreis bekommen hat.

Die Solisten Cathrin Lange (Miss Schlesen), Mirka Wagner (Mrs. Naidoo), Karolina Gumos (Kasturbai), Tom Erik Lie (Mr. Kallenbach) waren durch die Bank sehr überzeugend und haben sich in der Rolle wohl gefühlt.

Philipp Glass kam durch den Schallplattenladen seines Vaters in Baltimore zur Musik. Dieser brachte immer Platten aus seinem Laden  mit nach Hause brachte, die sich nicht gut verkauften, darunter waren Werke von Schönberg oder Hindemith. Glass ist eine Art Wunderkind, das schon mit 10 Jahren in einem lokalen Orchester spielte. Er studierte aber dann trotzdem erstmals Mathematik und Philosophie in Chicago und befasste sich durchaus und intensiv mit der Zwölftontechnik, die er aber für seine Musik ablehnt. 1965 begegnete er in Paris dem indischen Komponisten und Musiker Ravi Shankar, machte einige Transkriptionen für ihn und kam so in Kontakt mit dem asiatischen Rhythmus- und Zeitverständnis.

Jonathan Stockhammer am Pult hat der Monotonie Odem und Rhythmus eingehaucht und trotzdem Glass‘ langsamen, ruhigen Fluss respektiert.  Die Eastman-Tänzer nahmen persönlich an Gandhis Aufmärschen und Protesten teil und die standing ovations zum Schluss gehörten gleichermaßen dem Orchester, den Solisten, Tänzern und Chor, die großartig zusammen agierten.  Und trotz obsessiven Wiederholungen und gesungenen Endlosschleifen vergingen die 3 ¼ Stunden wie im Flug .

“Geduldige Offenheit” verlangte die Dramaturgie-Assistentin vom Publikum nach der Einführung. Es hat funktioniert, denn auch bei der Aufführung am 5.11. gab es fast nur begeistertes Publikum.

Satyagraha entstand als Koproduktion des Theater Basel, der Komischen Oper Berlin und der Vlaamse Opera in Antworten und Gent.

Christa Blenk

 

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La BETTLEROPERa

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Balletto Civile nach der Aufführung von La BETTLEROPERa
 

La BETTLEROPERa

„Der Räuber als perfekter Bürger und der Bürger als perfekter Räuber“

John Greys Beggar’s Opera  wurde 1728 in einem Londoner Theater uraufgeführt – als Persiflage auf Händels Opern, die sich an die gebildete Oberschicht, zu der Grey allerdings auch gehörte, richteten. Ein anderes Publikum  ins Theater zu holen war auch der Wunsch von Kurt Weil und da das neue Theater am Schiffbauerdamm ein knackiges Stück für die Eröffnungspremiere brauchte, schrieb Berthold Brecht die Texte auf der Basis von denen von Grey.

Die Dreigroschenoper wurde zum größten Theatererfolg in den 1920er Jahren. Die Idee zu diesem Titel kam übrigens von Lion Feuchtwanger.

Das Stück spielt im Räuber- Hehler-, Falschspieler und Prostituiertenmilieu. Die Tochter des Hehlers Peachum, Polly, hat heimlich den Don Juan, Banditen und Widersacher von Peacham, Macheath, geheiratet. Man beschliesst, ihn zu hängen. Polly verhilft ihm zur Flucht, aber Mrs Trapes, die bei Brecht/Weil Spelunken-Jenny heisst, verrät ihn. Lucy, die Tochter des Gefängniswärters und auch verliebt in Macheath streitet sich mit Polly, die darauf besteht, seine Frau zu sein. Das lieto fine  bei Grey und Brecht wird hier nicht wiederholt. In der Produktion der Neuköllner Oper landet  Macheath kunstvoll durch la Sig.ra Trappola drapiert, am Galgen. Der Bettlertanz am Ende ist großartig.

Das bis heute bei Brecht aufgeführte Vorspiel, die Moritat von Macheath alisas Mackie Messer, ist bei der BETTLEROPERa der Auftritt der Bordellbesitzerin, Mrs Trappola, die einen umwerfenden und akrobatischen Vortrag über das Leben und die Bedeutung von allgemein Huren hält.

Moritz Eggert hat 28 Songs geschrieben, die aber keine zusammenhängende Oper bilden und das auch noch in Deutsch, Englisch und Italienisch. Die Musik durch das 4-köpfige Ensemble Freiraum Syndikat, besteht aus zwei Blockflöten, einer E-Gitarre und einem Cello, die zwei Stunden lang kuriose und schroffe, kratzende und dann wieder ganz harmonische oder streitsüchtige Töne hervorbringen,  schließlich spielt es ja auch in einem deftigen Gangster-Milieu. Sehr abwechslungsreich geht das von romantisch-moralischen Balladen bis zu flotten Tanzszenen. Eggert hat sich auch nicht gescheut, einige bekannte Melodien aus der Musikgeschichte wie „Diamonds are a whore’s best Friend“ oder „We are the Chamions oft he Underworld“ mit einzubeziehen. Auf jeden Fall gab es meistens viel (un) kontrollierten Lärm aber durchaus Assoziationen mit Weils schräger und zum Teil disharmonischer Musik.

Zeitweise hat man Schwierigkeiten, diesem „brownschen“, konfusen Musik-, Tanz- und Theaterstück zu folgen, denn es passieren permanent zur gleichen Zeit mehrere Handlungen. Und obwohl es wie gesagt kein Happy End gibt, ist die Stimmung großartig auf der Bühne und im Zuschauerraum!

Für Eckert ist dies schon die zweite Produktion für die Neuköllner Oper. Man hat sich dazu das ausgezeichnet, italienische Balletto Civile ins Boot geholt, die Pasolini und Fellini im geistigen Gepäck mitbrachten. Dafür hat Sabrina Rossetto mit einem minimalen Bühnenbild und wenig Farben für optische Ruhe gesorgt. Ab und zu wurden die Aufzugskabinen für die Freier erhellt oder das fahrbare Gefängnis über die Bühne gerollt, meistens mit Macheath drin. Regie und Choreografie stammen von der Pina Bausch-Schülerin Michela Lucenti und von Maurzio Camilli sowie Bernhard Glocksin. Lucenti und Camilli spielen auch das Ehepaar Peachum. Nicole Kehrberger als Mrs. Trappola ist einzigartig und umwerfend gut. Christopher „Crsto“ Ciraulo ist ein großartiger, sich drehend und wendender und doch sanftmütiger Macheath. Polly (Emanuela Serra) ein unschuldiges Dummerchen und Lucy (Sophia Euskichen) eine rachsüchtige Betrogene. Die Kleinverbrecher und die Prostituierten kommen aus der Freien Theaterszene Berlins. Richtig singen kann eigentlich keiner von ihnen, aber es ist ja auch eine Oper für Alle!

Dieses brillante Stück, mit dem die Neuköllner Oper ihr 40-jähriges Bestehen feiert, könnte durchaus ein Kult-Stück wie die Rocky Horror Picture Show werden. 

Christa Blenk

 

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Luther dancing with the gods

 
2017-10-04 15.29.45

 

Bewegte“ Musik

“Ich weiß ein Wort, das hat ein L; wer das sieht, der begehrt es schnell. Wenn aber das L weg und fort ist, Nichts Bessres im Himmel und auf Erden ist. Hast Du nun einen weisen Geist, so sage mir, wie das Wörtlein heißt”. (Ein Rätsel: Gemeint ist “Gold” – “God” für “Gott” – aus einer Luther Tischrede)

Anläßlich des 500. Jahrestages der Reformation hat der New Yorker Regisseur Robert Wilson gemeinsam mit dem Rundfunkchor Berlin das Projekt Luther dancing with the gods entwickelt. Eine Schöpfung aus Text und Musik, Klang, Bewegung, Licht und Bild. Das Team inszeniert damit gleichzeitig die erste szenische Produktion für den Pierre Boulez Saal.

Motetten von Johann Sebastian Bach bilden den musikalischen Drehpunkt dieser Aufführung. Angereichert ist die Performance mit „Immortal Bach“ einer Improvisation  zu Bachs Lied “Komm, süßer Tod” von Knut Nystedt und einer großartigen Präsentation von Steve Reichs „Clapping Music“ auf der einen Seite und mit Texten von Luther, Übersetzungen, Bibelextrakten, Streitgesprächen, Rätseln sowie einem Text des amerikanischen Dichters William Carlos Williams auf der anderen.

Zwischen den Bach-Motetten hat Wilson seine bekannten Kneeplays eingebaut. Theatralische Mittel als Verbindungsstelle zwischen den Hauptakten: Luther als Kind, als Streitender, als Sterbender und irgendwie auch als beweinter Abwesender.

Alles fließt: Der ausgezeichnete, in strenge Mönchskluft gekleidete Chor, hat hier Ballett- und Schauspielaufgaben zu übernehmen. Sie waren ständig auf Pilgerschaft durch den Raum und über die Treppen; der Musik hat das gut getan und das Publikum hatte einen Chor „zum Anfassen“, ja man fühlte sich als Teil davon.

Es geht hier um Zeit und Kunst in und um Luthers Epoche und danach. Aber auch der Dreißigjährige Krieg wird zitiert, wenn sich der in einem Boschschen Heuwagen sitzende Teufel gestikulierend auf die Bühne kutschieren lässt und sich zu Luthers Tanz mit den Göttern gesellt. Keiner hat die Übel und Plagen der Menschheit besser gemalt als Bosch oder Bruegel! Wilson zitiert den Krieg mit weißen Speeren, inspiriert durch das Holbein-Bild „Schweizerschlacht“; es entstand 1524, in dieser Zeit arbeitete Luther an der ersten Bibelübersetzung. Überhaupt haben Wilson und sein Team der Kunst eine Hauptrolle in dieser Aufführung zugedacht. Der rote Vogelmensch spaziert direkt aus Hieronymos Boschs „Garten der Lüste“ auf die Bühne und bricht die schwarz-weiße Ästhetik und mit Pieter Bruegels „Triumpf des Todes“ stürzen die Weißgekleideten zu Boden. Die Sänger tragen Kopfbedeckungen, wie wir sie auf Cranachs „Jungbrunnen“ Gemälde wiederfinden oder wie Lucas Cranach Luther und seine Familie portraitierte. Die Steinigungsszene basiert auf einer Radierung von Girolamo da Treviso.

Luther war, im Gegensatz zu Zwingli oder Calvin, nicht gegen die Malerei. Bilder konnten dem einfachen Menschen die Bibel-Lektüre erleichtern. Das hat aber auch mit seiner Freundschaft zum Maler der Reformation, Lucas Cranach, zu tun. Cranach war sein Trauzeuge und Taufpate eines seiner Kinder und die Portraits von Luther, die fast alle in Cranachs Werkstatt entstanden sind, haben unser Lutherbild geprägt. Wilsons Luther trägt so auch den Cranach-Look! Mutig geht er bis ins 20. Jahrhundert und gibt Luthers Witwe Man Rays surrealistische Idealisierung des Banalen, das Nagelbügeleisen „Gift“ in die Hand wenn Fiona Shaw über „The Widow‘s Lament in Springtime“ von William Carlos Williams spricht.

Himmelsleiter, Totenbett und verbotene Äpfel

Die anfängliche Überraschung ist dann aber irgendwann keine mehr und das Geschehen nicht immer nachvollziehbar, aber das wäre ja auch zu einfach! Eine sehr bilder- und szenenreiche Aufführung mit viel Bewegung auf der Bühne. So schafft es Wilson, mit relativ wenig Darstellern großes, streitendes Chaos zu versinnbildlichen. Eine Geschichte, die vor allem durch Licht und Kostüme unter einem minimalistischen Deckmantel, gespickt mit Zitaten und der Kunstgeschichte im 16. Jahrhundert, lebt. Oft makaber, kommt die Regie aber dann doch an die Grenze der ertragbaren Symbolik und man wünschte sich mehr protestantische Demut!

Ausgezeichnet der Rundfunk Chor Berlin unter brillanter Leitung und Leistung der beiden jungen Dirigenten Gijs Leenaars und Benjamin Goodson, die Stereo operieren und auch immer in Bewegung sind; denn alles findet im Kreis statt und die Sänger blicken, singen und schauspielern in alle Richtungen!

Musikalisch begleitet von Aleke Alpermann (Violoncello); Mirjam Wittulski (Kontrabass) und Arno Schneider an der Orgel. Jürgen Holtz ist Luther, Serafin Mishiev spielt das Kind und den roten Vogelmenschen.

Ende September und Anfang Oktober gab es Voraufführungen; die Premiere ist am 6. Oktober 2017.

 

Christa Blenk

Gerardo Aparicio
Gerardo Aparicio – Himmelstreppe und Heuwagen
 
und hier geht es zum Luther Oratorium – “Wir sind Bettler”
 

 

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