Römischer Spaziergang: Borromini

Borromomini-santandreafratteGlockenturm von Borromini – Sant’Andrea delle Fratte

Francesco Castelli wurde 1599 im Tessin geboren. In Mailand ließ er sich zum Steinmetz ausbilden, ging dann mit knapp 20 Jahren nach Rom und nannte sich von nun an  Borromini. Schon  um 1619 fing er bei seinem Onkel Carlo Maderno, der damals Baumeister auf der  Petersdom-Baustelle war, zu arbeiten an. Hier entdeckte er Michelangelo als sein großes Vorbild – was Bernini mehr oder weniger um die gleiche Zeit auch tat.  Durch seinen Mentor Maderno wurde Borromini  ebenfalls  in die vom Barberini Papst Urban VIII in Auftrag gegebenen Bauarbeiten am Palazzo Barberini  eingebunden. Als Maderno allerdings 1629 starb und seine Befürwortung  oder Unterstützung weg fiel, gelangte er in den Hintergrund. Urban VIII  war gänzlich auf Bernini fokussiert  – was aber nicht hieß, dass er aufhörte tätig zu sein, er arbeitete im Hintergrund und sorge so umso mehr für Berninis aufsteigenden Ruhm. Bernini, der von Architektur keine Ahnung hatte und von Urban VIII zum Baumeister ernannt wurde, war auf das architektonische know how von Borromini angewiesen.  Er flehte ihn geradezu an  « ihn doch in diesem Augenblick nicht im Stich zu lassen »  und Borromini erlag seinem Charme und seinen Worten, was er später bereute. « Es stört mich nicht, dass er das Geld bekommen hat, aber umso mehr, dass ihm der Ruhm zuteil wurde für meine Mühen ».

Borromoni verfügte nicht über die gesellschaftliche Leichtigkeit wie sie Bernini an den Tag legte. Er war eher verschlossen und hatte den Ruf, griesgrämig und kauzig zu sein. Desweiteren hatte er weder Lust noch Talent im Umgang mit den Mäzenen und Kirchenfürsten den richtigen schmeichlerischen Ton zu finden. Dieses Ungleichgewicht machte aus ehemaligen Kollegen und Freunden unerbittliche Feinde.

Rom durchlebte um 1630 einen nicht vorstellbaren Bauwahn und sie hätten alle beide großen Ruhm erlangen können. Bernini konnte aber neben ihm keinen anderen Gott dulden. Die Päpste Urban VIII und Alexander VII favorisierten ihn ausnahmslos. Außerdem konnte er als Bildhauer seine Werke auch schneller und besser präsentieren, als dies ein Architekt oder Baumeister konnte.   Erst 1644, als der Pamphilij Kardinal unter  dem Namen  Innozenz X Papst wurde, kam Borromini wieder zum Zug. In dieser Zeit vollende er einige angefangene Werke wie die Kirche San Carlo alle Quattro Fontane. Dieser privilegierte Zustand dauerte aber nur 10 Jahre bis Bernini wieder an der Oberfläche auftauchte und alle Leckerbissen vom Chigi Papst bekam. 1667 nach langen Depressionen, ging Borromini in den Freitod.

 

Wir beginnen unseren Spaziergang mit der schönsten Treppe in Rom. Sie befindet sich im rechten Gebäude des Palazzo Barberini.  Hier zeigt sich besonders die Vorliebe von Borromini für eine lichte, klare und unkomplizierte Formensprache, ganz im Gedenken an Michelangelo. Sehr individuell und unverkennbar seine klassische Interpretation seiner Arbeiten.

Ein paar Meter weiter Richtung Quattro Fontane steht direkt an der Ecke die kleine Kirche San Carlito alle Quattro Fontane. Im charmanten Kreuzgang hinter der Kirche treffen wir wieder auf seine helle und unverkennbare Sprache, weiß und organisch die Decke im Inneren der Kirche, verziert nur mit konkaven  Kompositionen und Formen.  Eigenwillig und sehr persönlich war er und seine seltsamen Erfindungen nannten die Leute damals extravagant oder bizarr-gotisch! (Wir machen einen Exkurs und gehen ein paar Meter weiter Richtung Quirinal-Palast in die Bernini-Kirche. Ein Vergleich dieser beiden Gotteshäuser sagt alles aus über die Persönlichkeit und die Unterstützung von außen dieser beiden großen Künstler. Die eine klein, transparent, schlicht über nur zwei Treppen zu erreichen, die andere groß, protzig, überladen mit einem Treppenaufgang der fast einem Schloss würdig wäre. ) Beide bestechen mit einer Schönheit. Aber mir persönlich gefällt Borrominis Preziose besser.

Nicht weit weg Richtung Tritone machen wir einen kurzen Abstecher in die Kirche Sant’Andrea delle Fratte. Die Bauarbeiten hier wurden des Öfteren unterbrochen, da je nachdem wer Papst war und welcher Günstling den Happen bekam. Das Querhaus und die Kuppel mit dem Glockenturm mit den Doppelsäulen aus Marmor hat Borromini um 1655 errichtet. Man muss ein wenig suchen, um in diesem Gewirr von Häusern und Autos einen Blick auf den weißen Turm  zu erheischen. Weiter geht es Richtung Corso zur Galleria Pamphilij. Dort steht, unter vielen anderen Schätzen, die Büste von seinem Gönner Innozenz X, aber gefertigt hat sie Bernini. Borromini hingegen hat den Festsaal entworfen.

Rechts vom  Corso Vittorio Emanuele II gegenüber der Piazza Navona gelangen wir zu Sant’Ivo alla Sapienza – die römische Universität mit ihrem wunderbaren Innenhof. Auch wieder schlicht, pur und bestechend schön. Auf der Piazza Navone besuchen  wir in die Kirche Sant’Agnese in Agone . Wieder unter Innozenz X sollte diese Reformkirche nach  unendlichen Streitereien zwischen Päpsten und Baumeistern umgebaut werden und Bernini war dafür vorgesehen; schließlich entschied aber Innozenz X sich für Borromini, der die Freitreppe bauen sollte.

Wir gehen weiter Richtung Campo dei Fiori zum Palazzo Spada.  Dieser Palast stammt aus dem 16. Jahrhundert und ging 1623 in Besitz der mächtigen Familie Spada über. Ab 1635 tätigte Borromini dort Restaurierungsarbeiten an den Fassaden und baute die bekannte perspektivisch- manieristische Kolonnade. Er spielt mit dem Sehen und dem Empfinden. Nach hinten wird der Säulengang kleiner und lässt die Figur darin viel größer erscheinen als sie wirklich ist. Am besten sieht man das, wenn man jemanden beobachtet der bis zu hinteren Skulptur geht.

In der Chiesa Nuova gibt es das Oratorio dei Filippini, das Borromini in über 10 Jahre ab 1640 erbaute. Hier wurden früher religiöse Musikdramen aufgeführt. Leider  ist es  bis auf Weiteres geschlossen, es  kann also Jahre dauern, bis man diesen Ort wieder besichtigen kann. Nicht zu vergessen ein Blick in der Bischofskirche San Giovanni in Laterano, in der Borromini das Haupthaus auf Wunsch von Papst Innozenz X umgestaltete. Diese Arbeiten dauerten allerdings eine Ewigkeit und wurden erst sehr viel später – nach dem Tod aller Beteiligten fertiggestellt.

Jetzt haben wir Francesco Borromini und seine Zeit verstanden.

Christa Blenk

Borrominioratoriofilippino Oratorio dei Filippini (das man hoffentlich bald wieder besichtigen kann)

Fotos: Christa Blenk

 

 

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