San José

San José – in der Provinz Almeria in den Jahren 1984 – 1988

San José ist ein kleiner Ort und liegt in einer traumhaft schönen und damals ziemlich unbekannten Ecke an der Küste von Almeria.  1983 dauerte die Fahrt mit dem Auto von Madrid nach an die  8 Stunden, es gab keine Autobahn und man durchquerte – vorbei an vielen Bausünden – hunderte von kleinen und manchmal hässlichen Dörfern und Siedlungen, die in den 80er Jahren noch lange nicht die Franco-Diktatur überwunden hatten. Man durchquerte die Wüste, in der in den 60er Jahren viele der bekannten Italo-Western gedreht wurden. Anfang der 80er konnte man noch Holzhütten und Cowboy-Dörfer wie bei “12 Uhr mittags” sehen und Bud Spencer und Terrence Hill geisterten noch herum. Ansonsten war man eher unangenehm berührt, vom umherfliegenden Plastik – ein „Kollateralschaden“ der großen Obst- und Gemüsefarmen für die Europäische Union und damals Spaniens große Hoffnung, schnell das Europäische Niveau zu erreichen.

Wie auch immer: Wir kannten die Ecke nicht und sind auf Empfehlung einer Freundin hergekommen (allerdings mit der Auflage, es bloß nicht weiterzuerzählen – haben wir auch nicht getan, aber es sollte sich trotzdem rumsprechen und die Zerstörung war natürlich nicht aufzuhalten)!

genoveses playa de los geneveses

Plötzlich tauchte also diese jungfräuliche Küste vor uns auf, keine Spur von Immobilienspekulation, wie sie weiter südlich in Marbella oder Torremolinos überall zu sehen ist und man von den 15stöckingen Kästen 2 Meter vom Stand entfernt direkt erschlagen wird. Nur ein paar unberührte und hübsche blau-weiße Fischerdörfer, Ruinen und 60 km Naturpark – es war einfach traumhaft. Unser Ort war San José, kein fließendes Wasser, kein Telefon, nur ein kleines vergammeltes Geschäft und S., eine Holländerin, die in den 70erJahre mit ihren Kindern dort gelandet war und die uns ein Minihaus am Strand vermieten konnte, das einer Verwandten gehörte (sie nannte es „la jaula de la suegra“ – so ungefähr „ der Käfig der Schwiegermutter).

Dann entdeckten wir nacheinander die Traumstrände „Los Genoveses“, la „Playa de Monsul“ (vor der riesigen Sanddüne ist dann später ein Indiana Jones Film gedreht worden und Sean Connery verjagt mit seinem Regenschirm die Möwen) und la „Cala de la Higuera“, klein und steinig, aber bildschön und wild romantisch. Nur zu Fuß und mit guten Schuhen waren diese Strände zu erreichen. Die Belohnung für den Marsch durch die gnadenlose Sonne war dann himmlisches Alleinsein an unserem”Privatstrand”. Im Laufe der Jahre kamen allerdings in dieser Reihenfolge das fließende Wasser, eine Telefonkabine, Restaurants, immer mehr Touristen und als in San José das erste Hotel eröffnet wurde, haben wir aufgehört hinzufahren, das war dann aber schon Ende der 90er Jahre. Aber ich erinnere mich auch an die kalten Tage an Ostern zum Beispiel, an die Mohnblumenexplosion in der Sandwüste, wenn es zwei Tage Regen gab (es regnet fast nie in Almeria, aber wenn dann wurde man im Bett nass!) an die Schwierigkeit, etwas Anständiges zu essen zu finden, an den krachenden blauen Himmel im Frühjahr und das leicht Diesige im Sommer und Spätsommer, an die Atlantik-Temperaturen, wenn von der Gibraltar-Seite eine kalte Strömung heraufkam und das grobe Salz (sal gorda), das aufgeschichtet in der Nähe am Straßenrand lag und vorallem an die von Borja – ausgestattet mit Neoprenanzug, Bleigürtel und Harpune – gefangenen Fische, die jeden Tag kulinarisch zum Sonntag machten (Seehecht im Salzmantel)!

fischen-sanjose hier die Vorbereitungen für das Mittagessen – Borja und Cesar beim Fischen.

In den 90er Jahren haben Cesar und Guillermo dann eine Ruine auf dem Weg von Almeria nach San José entdeckt und dort die aller fantastischsten Wandmalereien hinterlassen. Ein Fotograf hat Jahre später sogar ein Buch darüber herausgebracht.

sanjose-cesar-malerei

Christa Blenk

Fotos:© Christa Blenk

 

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