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L’Heure espagnole und L’enfant et les sortilège

Zweimal Ravel in der Oper Rom – “Die spanische Stunde” (Commedia dell’Arte pur) und das Impressionisten-Stück “Das Kind und der Zauberspuk”

P1130534 Nichts wie hin – noch bis zum 6. Februar.

Und hier die Besprechung (in der Langfassung):

Die Oper Rom hat das Jahr 2014 mit Ravel eingeleitet und führt noch bis zum 6. Februar seine Kurzopern „Die spanische Stunde“ und „Das Kind und der Zauberspuk“ auf. Eine erholsame Unterbrechung zwischen den sonst üblichen Verismo und Belcanto- Aufführungen! Allerdings gab es vorher ein wenig Nervenkitzel, da die Premiere wegen Streik erstmals abgesagt wurde.

Der chinesische Vorhang schiebt sich langsam zur Seite und bringt nach und nach ein überdimensionales Wohnzimmer-Kuriositätenkabinett zu Tage. Alles tickt: Wanduhren, Standuhren und Kuckucksuhren überall, Fahrräder, eine Waschmaschine, ein Bügelbrett mit Bügeleisen, ein Stier, eine Gitarre, Kleidung hängt und liegt herum. Bevor Charles Dutoit das „go“ gibt, ticken schon die Uhren im Fünfer- und Dreiviertaltakt desorganisiert und chaotisch durcheinander und keine Uhr geht richtig! 45, 90, 180 Schläge pro Minute – jede Uhr wie sie will!

Diese moralische oder amoralische Geschichte könnte immer und überall passieren: Die Protagonisten sind: ein eitler und dicklicher Bankier mit Weste, ein verträumter Studenten-Poet in orangefarbener Kleidung mit langer Hippie-Mähne, ein pflichtbewusster, gehörnter aber nicht so dummer Ehemann (der witzigerweise den Namen des grausamsten spanischen Inquisitor Torquemada trägt), eine untreu-frivole und berechnend-schöne Ehefrau (genial Stéphanie d’Oustrac), ein einfacher und gut aussehender Maultier-Postbote-Möbelpacker mit Tatoo auf der Brust und viel Muskeln sowie zwei große Standuhren….. 

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Es ist Donnerstag, Torquemada muss die rathäuslichen Uhren neu setzen, denn „die offizielle Zeit darf nie warten“. Er wird aber von Ramiro aufgehalten, der ihm gerade seine Taschenuhr zum Richten brachte. Zuvorkommend will er sich gleich der Uhr widmen, aber Concepción, die ihm Seidenunterrock und geblümten Morgenmäntelchen auf hochhackigen Sandalen die Treppe herunter rennt, ermahnt ihn doch schnell zu gehen. Torquemada bittet Ramiro auf ihn zu warten. Dies bringt Concepción in eine Bredouille und um ihr (donnerstags)mittägliches Schäferstündchen. Ramiro ist zuerst der Verursacher und dann der Retter des Nachmittags. Ab jetzt ist das Stück Slapstick und Commedia dell’arte pur. Der Poet Gonzalvo erscheint. Genial und elegant wie sie noch schnell ihren Slip auszieht und ihn aufs Sofa wirft. Ramiro schickt sie kurzerhand mit der Standuhr nach oben in ihr Schlafzimmer. Während der Student schon in einer Wanduhr schmort kommt der Bankdirektor hinzu, den sie auch nicht los wird. Raus aus der Uhr und rein in die Uhr und nach oben getragen und wieder nach unten verbracht. Dichter und Bankier kommen weder ans Ziel noch aus der Uhr heraus. Torquemada kehrt zurück und freut sich, gleich zwei Kunden im Geschäft vorzufinden und verkauft jedem die Uhr in der er noch steckt (angeblich um das Uhrwerk zu überprüfen). Der Gewinner ist demnach Ramiro und ein wenig Torquemada, der aus einem worst-case-szenario eine win-win situation macht. Am Ende sitzen sie alle vier auf dem Sofa und singen einen gemeinsamen von Kastagnetten begleiteten Habanera-Spottgesang. Von „allen Liebhabern zählt nur der Erfolgreiche“ – das könnte man auch wirtschaftlich verstehen! Aber trotzdem verlässt sie das Haus mit Ramiro!

Pfiffig und großartig die Ideen von Laurent Pelly und Caroline Ginet. Stéphanie d’Oustrac war eine lebendige und sehr sexy Ehefrau und sang alle vier Männer buchstäblich aufs Sofa. Benjamin Hulett (Gonzalvo), François Piolino (Torquemada), Jean Luc Ballestra (Ramiro) und Andrea Concetti (Don Inigo) waren korrekt aber nicht umwerfend – es sind allerdings kleine Rollen!

Franc Nohaim schrieb das Libretto für diese musikalische Komödie. Bei der Uraufführung im Mai 1911 in der Komischen Oper in Paris kombinierte man „die spanische Stunde“ mit Massenets veristischer Spanientragödie „Therèse“ – vielleicht war es deshalb ein großer Reinfall! Die konventionellen Musikkritiker bezeichneten das Stück jedenfalls als musikalische Pornografie. Alfred Jarry war an der Erarbeitung des Libretto beteiligt, dessen Ursprung eine Geschichte von Boccaccio ist. 

In Rom blieb uns Massenet Gott sein Dank erspart und es ging nach der Pause weiter mit „dem Zauberspuk“. Ravel sah für diese lyrische Fantasie 21 Sopran-, Mezzosopran-, Tenor- und Bass-Stimmen sowie Chor vor. Colette hat den Text geschrieben (eigentlich ein Kinderbuch für ihre Tochter) an deren musikalischer Umsetzung Ravel über sechs Jahre gearbeitet hat (1919 und 1924). Die Uraufführung fand 1925 in Montecarlo statt. Eine gewisse Antipathie zwischen Colette und Ravel beim ersten Treffen 1900 legte sich, als 1914 der Pariser Operndirektor Ravel das Opernprojekt vorschlug. Bevor er aber 1917 den Antrag annahm, musste er vorher noch in den Krieg ziehen und seine Mutter begraben. Die Oper ist ein impressionistisches Meisterwerk, vollkommen durchkomponiert und mit Zwischenspielen verbunden.

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Alles singt! Ein präpubertärer bösartiger Trotzkopf (Khakistoff Gadilia) sitzt an einem riesigen Tisch auf einem sehr hohen Stuhl und will nicht lernen. Er will frei sein ist frech und wird mit Tee ohne Zucker in sein Zimmer verbannt. Vor Ärger und Langeweile schlägt er alles kurz und klein bis er vor Erschöpfung einschläft. Traum oder Wirklichkeit? – jedenfalls erwachen die Gegenstände um ihn herum zum Leben und werden zu seinen Feinden. Der Foxtrott, den die Teetasse mit der Wedgewood-Teekanne – englisch und pseudochinesisch singend – tanzt ist fantastisch und so ist auch die Mathematikstunde sowie die Herausholaktion des dicken Bankiers aus der Standuhr. Ein Hochgenuss die Inszenierung wie auch die musikalische Bandbreite dieses Meisterwerkes. Kleine Referenzen an seinen Bolero hört man raus und wenn die beiden Katzen vor sich hin miauen denkt man direkt an Rossini. (In einem Schreiben zwei Tage vor der Uraufführung an den „Figaro“ breitet Ravel seine Idee die italienische „Opera buffa“ wieder zu beleben aus – aber nur das Prinzip!) Das Kind gerät in Panik und ruft nach der Mutter, die ihn aber nicht hört. Wir verlassen das Zimmer und sind plötzlich im Monet-Garten – impressionistisch schön wie Pelly die Bäume, Pflanzen und Tiere auftreten lässt und wie das böse Kind plötzlich brav wird und das verletzte kleine Eichhörnchen verbindet. Die aufständischen Gegenstände beruhigen sich und Alles wird gut!

Man sollte ungezogenen Kindern das Pflichthören dieses Kurzwerkes verschreiben. Die werden alle brav!

Können Sie sich vorstellen, was ein Eichhörnchen alles über den Wald zu berichten hätte“ schreibt Ravel im Frankreich zu Beginn des 20. Jahrhunderts an Colette!

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Charles Dutoit stand am Pult und holte aus dem hiesigen Orchester nur Gutes heraus, Robert Gabbiano ist der altbewährte Chorleiter an der Oper Rom. Regie führte bei beiden Stücken Laurent Pelly. Barbara de Limburg inszenierte „Das Kind und der Zauberspruch“ und Caroline Ginet „Die spanische Stunde“. Die Sänger hatten fast alle Doppel- bzw. Dreifachrollen. So sang die fantastische Stéphanie d’Oustrac die Katze und das Eichhörnchen. Kathleen Kim war das Feuer, die Prinzessin und die Nachtigall. Jean-Luc Ballestra (unser Ramiro von vor der Pause) sang die große Uhr und war ein herrlicher Kater, Francois Piolino gab eine überzeugende Teekanne mit Boxhandschuhen, einen Alten und den grüne Forsch. Als Uhrmacher war er längst nicht so gut.

Diese Ko-Produktion mit dem Glyndebourne Festivals darf man einfach nicht verpassen. Also nichts wie hin, wer die Gelegenheit hat!

Christa Blenk

 

Zusatzinfos:

Maurice Ravel wurde 1975 in Ciboure geboren und ist 1937 in Paris verstorben. Er war neben Debussy der wichtigste Vertreter des Musik-Impressionismus.

Sein Vater war Ingenieur und wahrscheinlich hat er vom ihm diesen Hang zur Überpräzision geerbt, eine Eigenschaft, die Strawinsky ihn den „Uhrmacher“ unter den Komponisten nennen ließ. Mit seinem Bolero ist er dann 1928 schlagartig berühmt geworden. Er selber bezeichnete, tiefstaplerisch, diese Komposition als „simple Orchesterübung“.

Lalo verdammte allerdings Ravels Gesamtwerk und bezeichnete seine Musik als „mechanische Kälte“. Das hat ihn sicher nicht gerade bestärkt, zumal er sich im Verlauf seines Komponistenlebens fünfmal erfolglos für den Prix de Rome beworben hatte.

Fotos: Christa Blenk

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