EUR – das andere Rom

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Als 1936 Rom den Zuschlag für die Weltausstellung 1942 bekam, entstand Mussolinis größenwahnsinnige Idee, vor den Toren im südlichen Rom eine exorbitante postmoderne Trabantenstadt aus dem Boden zu stampfen. Der Städteplaner und Architekt Marcello Piacentini wurde mit der Aufgabe betraut.

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Der zweite Weltkrieg kam dazwischen und die Weltausstellung musste abgesagt werden. Fertiggestellt wurde das 420 ha große Areal dann erst 1951.

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Klobig und bombastisch, faschistoid und kalt galt es damals als einzigartige Errungenschaft moderner Städteplanung.

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Jetzt ist es eine beliebte und eher teure Wohngegend mit U-Bahn-Anschluss (was in Rom nicht immer der Fall ist, da es nur zwei Linien gibt), und umgeben von großen Grünanlagen mit einem künstlichen See, auf dem man rudern kann. Es gibt kein Parkplatzproblem und die Avenuen sind breit und lang, – und: wer in EUR wohnt, hat schon den halben Weg nach Ostia und ans Meer hinter sich!

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Heute sind dort das Museo della Cività Romana, das Zentralarchiv, ein Kongresspalast, diverse Ministerien und das Hauptgebäude Il Palazzo della Civiltà del Lavoro eine Ode an Helden, Poeten, Denker, Wissenschaftler und Künstler untergebracht. Dieser 68 m hohe, weiße, von allen vier Seiten gleich aussehende Quader, ist komplett in Travertin (Kalktuff) erbaut. Er ist eine Art Kolosseum, megaloman wie sein Errichtervater – nur viereckig und die insgesamt 216 Rundbögen lassen dieses hässliche Monster trotzdem transparent erscheinen. Der bekannteste italienische Maler dieser Zeit, Giorgio De Chirico hatte wohl eine Vorliebe für dieses Gebäude, taucht es denn des öfteren in seinen Bildern auf.

Der Palazzo dello Sport kam dann schließlich bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom zum Einsatz. Er wird wegen seiner klaren Geometrie als Meisterwerk der Sportarchitektur angesehen. Das Museo della Civiltà Romana wurde bereits 1937 eröffnet und beherbergt außer eine didaktischen und illustrativen Darstellung der Römischen Geschichte bis Konstantin, auch ein ca. 60 qm großes „Stadtmodell“, das 1970 von Italo Gismondi gebaut wurde. Von oben betrachtet liegt uns das Rom zu Beginn der Christenheit zu Füßen, auch wenn der Weg bis in diese noch lange sein sollte.

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Ein Astromomiemuseum und ein Planetarium sind ebenfalls dort untergebracht. Am Sonntag wirkt es hingegen ausgestorben und seelenlos, da die Büros geschlossen und keine Schulgruppen anzutreffen sind. Touristen verirren sich eher selten hinaus nach EUR (Esposizione Universale di Roma). Zum antiken und barocken Rom ist es allerdings in interessanter Kontrast.

Christa ‘Blenk

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Fotos: © Christa Blenk

 

 

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